Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung traf eine Entscheidung des Europäischen Verfassungsgerichtshofes (EuGH) die landwirtschaftlichen Betriebe mit Pferden – egal ob sie gezüchtet, vermietet oder für ihre Eigentümer gepflegt werden – hart: Für das Geschäft mit Reitpferden darf es keine Umsatzsteuererleichterungen geben, seit dem 1. Jänner 2014 fallen daher 20 Prozent Umsatzsteuer an. Bisher fielen entsprechende Betriebe nämlich unter die geringere landwirtschaftliche Pauschalbesteuerung. Massive Verteuerungen bei den Einstellgebühren, der Verlust von Arbeitsplätzen und eine große Anzahl "herrenloser" Pferde, deren Unterhaltskosten ihre Besitzer nicht mehr aufbringen können,  wurden befürchtet. Doch nachdem man sich nach langen Verhandlungen auf eine Vorsteuerpauschale von 24 Euro pro Pferd und Monat für landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe und die Möglichkeit, die Vorsteuern von den Investitionen in das unbewegliche Anlagevermögen (Neubau eines Stalles, Neuerrichtung eines Reitplatzes oder Ähnliches) abziehen zu können, geeinigt hatte, beruhigte sich die Lage wieder etwas. Mittelfristige Folgen sind derzeit jedoch nicht abseh- oder berechenbar.

Therapiepartner Pferd

Nicht nur im Breitensport erfreut sich das Pferd steigender Beliebtheit, es wird vermehrt auch im therapeutischen Bereich eingesetzt. Hippo- oder Equotherapie, Ergotherapie und Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten zeigen in etlichen Bereichen großartige Erfolge. Eingesetzt werden die speziell und aufwendig ausgebildeten Pferde zur Unterstützung bei körperlichen Einschränkungen wie Trisomie 21, Multipler Sklerose, Bewegungsstörungen oder Dystrophien (Degenerationen), aber auch im pädagogischen und psychiatrischen Bereich wie der Wahrnehmungsförderung, bei Autismus, Essstörungen oder ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) sowie zur Entwicklung kommunikativer Kompetenzen und zur Steigerung von Empathie. "Pferde sind Meister der Kommunikation, sie erkennen kleinste Signale und sind trotz ihrer Größe unglaublich sensible, vorsichtige Wesen. Sie wissen genau, wann sie auf einen Menschen zugehen und wann sie warten sollen – aber ihnen hat sich bis jetzt noch jede Seele geöffnet", sagt Roswitha Zink vom Verein e.motion. Sie und ihre zwei- und vierbeinigen Helfer arbeiten auf der Baumgartner Höhe im 14. Wiener Gemeindebezirk mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die Hilfe brauchen, sich Menschen gegenüber aber nicht oder nur schwer mitteilen und öffnen können. Wichtig sind Zink die artgerechte Haltung und Ausbildung ihrer Pferde sowie der "typgerechte" Einsatz der Tiere: "Nicht jedes Pferd eignet sich aufgrund seiner Persönlichkeit für jeden Menschen. Aber wir haben ausreichend Auswahl. Dadurch hat jeder unserer vierbeinigen Mitarbeiter genügend Ruhezeiten, denn Therapiearbeit ist sehr anstrengend."

Auch Manager und Führungskräfte sind eine Zielgruppe der Arbeit mit Pferden, denn von ihnen kann man einiges in Sachen Körpersprache, Leiten und Motivation lernen. "Wer nicht klar in seinem körperlichen Ausdruck, zögerlich oder widersprüchlich ist, dem folgt ein Pferd nicht, weil es diesem Menschen nicht vertraut und daher seinen Führungsanspruch in Frage stellt", erklärt Zink. Vom Wissen um seine kommunikativen Stärken und Schwächen profitiert aber natürlich jeder, egal ob Manager oder nicht, die "Pferdeflüstern"-Workshops, die Zink in Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn anbietet, sind daher regelmäßig rasch ausgebucht.