Sie sind die Stars der Manege, die Höhepunkte jeder Zirkusshow: Großkatzen, Elefanten, Nilpferde, Bären, Robben, Affen, Strauße – je exotischer desto besser. Dieser Trend begann allerdings erst Anfang des 19. Jahrhunderts, bis dahin bot der Zirkus vor allem aufwendige Pferdedressuren. Doch eine Pantomime in Frankreich legte im Jahr 1831 den Grundstein für die großzügige Implementierung von Wildtierdressuren: In "Die Löwen von Mysore" waren zum ersten Mal dressierte Löwen in einem Zirkus zu sehen. Später kam aus den USA der Trend, neben dem Zirkuszelt eine große Tierschau zu präsentieren, in der die Exoten, eingepfercht in winzige, kahle Käfige, von den zahlenden Besuchern bestaunt werden konnten. Die Tiere stammten aus Wildfängen, das heißt, sie wurden ihren angestammten Lebensräumen entrissen. Und das bedeutete fast immer, dass das Muttertier oder das ganze Rudel getötet wurde, um an ein Jungtier zu kommen, denn diesem konnte der Dompteur seinen Willen noch leichter aufzwingen als einem ausgewachsenen Löwen, Elefanten oder Nashorn. Niemand machte sich Gedanken über artgerechte Haltung oder die Bedürfnisse der Tiere, das Training fand ausschließlich mittels Gewalteinwirkung statt.

Ein Elefant als Symbol

Anfang der 1990er Jahre kam ein Wendepunkt: Am 20. August 1994 tötete die 20-jährige Afrikanische Elefantenkuh Tyke während eines Auftrittes in Honolulu/Hawaii ihren Trainer Allen Campbell und verletzte ihren Pfleger Dallas Beckwith schwer. Sie stürmte aus dem Zelt auf die Straße, wo sie von Polizisten durch 86 Schüsse gestoppt wurde und vor den Augen vieler Schaulustiger starb. Sie war nicht nur unter unwürdigen Bedingungen gehalten worden, anhand zahlreicher Verletzungen und Narben konnten Fachleute Rückschlüsse auf das grausame Training und die Gewalt, gegen die sie sich letztendlich nicht mehr anders zur Wehr zu setzen wusste, ziehen. Es folgten Klagen gegen die Stadt Honolulu, den Staat Hawaii, den Zirkus und den Besitzer von Tyke, John Cuneo Jr. und die Hawthorne Corp. Campbells Autopsie ergab zudem, dass er Alkohol und Kokain im Blut hatte, Recherchen über seine Vergangenheit brachten ans Tageslicht, dass er bereits mit mehreren Anklagen wegen Tierquälerei konfrontiert gewesen war. Letztendlich hatte ihn das sprichwörtliche Gedächtnis eines Elefanten zu Fall gebracht?… Seit diesen Tagen stehen Tyke und ihr Tod auf den Straßen Honolulus als Symbol für die qualvolle Haltung von Wildtieren im Zirkus und für die Etablierung und Einhaltung von Tierrechten.