Bettina Neunteufl zieht ihren feingestrickten, beigen Pullover aus. Anschließend legt sie sich auf die Liege, streckt ihren linken Arm aus, stützt ihn auf der Lehne ab und ballt ihre Faust zusammen. Ihre Bewegungen wirken fast einstudiert. Heute ist nicht das erste Mal, dass sie Blut spendet. Eine medizinische Schwester der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes setzt sich auf einen Stuhl neben sie. Zuerst desinfiziert sie die Stelle, dann nimmt sie eine Nadel und bohrt sie vorsichtig in die nun sichtbare Vene am rechten Rand des Ellbogens. Blut fließt. Dies ist normalerweise ein kritischer Punkt, der bei vielen Menschen Unbehagen und/oder Schmerz auslöst, nicht so bei Neunteufl. Sie liegt auf der Liege so gemütlich, als hätten die Nadel und die sich langsam füllende Blutkonserve schon immer dazugehört. Die beiden Damen beginnen ein Gespräch über Banalitäten. Nicht selten ziert ein Lächeln das Gesicht der 39-jährigen Pressesprecherin der Technischen Universität Wien. Die Krankenschwester erkundigt sich immer wieder nach dem Wohlbefinden der Patientin, schließlich soll Neunteufl nicht in Ohnmacht fallen.

"Neugierde!", antwortet Neunteufl mit einem Lächeln auf die Frage, was sie zu ihrer ersten Blutspende verleitet hat. Sie erinnert sich noch an das erste Mal. "Mich haben medizinische Abläufe schon immer sehr interessiert. Als nach meinem 18. Geburtstag (das gesetzlich festgelegte Mindestalter für Blutspenden, Anm.) eine mobile Spendestation in meiner Ortschaft eintraf, zögerte ich nicht lange, sondern ging gleich hin", sagt sie und blickt auf die Wand mit ein wenig zugekniffenen Augen. So als ob die Episode aus ihrer Erinnerung an die Wand projiziert wäre. Schon damals zeigte sie sich tapfer. Die Nadel und das unangenehme Gefühl während der Blutabnahme störten sie nicht im Geringsten. "Nur der Fingerstich war mir sehr unangenehm. Das ist heute meine neunzehnte Spende", erzählt sie. Der Tag ist nicht spontan gewählt, es ist der Blutspende-Tag der Technischen Universität Wien. Zu Dutzenden strömen Studierende  in die und aus der Zentrale. Die Spende-Kantine, in der es (nach der Spende) Trank und Wurst zur Stärkung gibt, ist voll mit jungen Leuten mit Pflaster am Ellenbogen. Manche sind ein wenig bleich im Gesicht. "Voriges Jahr gab es über 200 TU-Studenten, die gespendet haben. Heuer sollte es mindestens genau so viele geben", gibt sich Neunteufl zuversichtlich.