Alexander Exaxs Lebensweg unterschied sich auf den ersten Blick kaum von jenem anderer junger Männer seiner Generation. Er verbrachte, so wie viele seiner jungen Kameraden, die Jugendjahre an der Front, in Galizien, in Serbien und am Isonzo. Viele Soldaten kamen nicht mehr zurück, andere trugen bleibende körperliche und seelische Verletzungen davon. Exax, der vier Jahre lang im Krieg war, kam heil nach Hause.

Hatte er einfach nur Glück? Gewiss auch das, aber das Leben rettete ihm auch sein "Beruf" im Krieg. Er war Kriegsfotograf. Als solcher war er privilegiert, er musste nicht ins Getümmel der Schlacht, sondern konnte mit seiner Kamera den Krieg aus halbwegs sicherer Entfernung beobachten. Kein einziger der österreichischen Kriegsfotografen im Ersten Weltkrieg wurde getötet oder verletzt.
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg werden die Fotografien der damaligen Zeit wieder in die Öffentlichkeit geholt. Woche für Woche werden Kriegsbilder in Tages- und Wochenzeitungen, in Magazinen und TV-Dokumentationen, in Ausstellungen und Büchern gezeigt. Doch was wissen wir über jene, die diese Bilder damals machten, die hinter der Kamera standen? Wie arbeiteten und lebten die Kriegsfotografen? Unter welchen Bedingungen fotografierten sie? Wer waren ihre Auftraggeber? All diese Fragen werden in der Regel übergangen, so als ob die Bilder des Krieges vom Himmel gefallen wären.

Es lohnt also, am Beispiel von Alexander Exax hinter die Kulissen des ersten großen Medienkriegs der Geschichte zu blicken. Exax war nicht nur der jüngste österreichische Kriegsfotograf, sondern auch der erfolgreichste und, wie ich meine, der weitaus beste. Dass seine fotografische Arbeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist, hat auch damit zu tun, dass er in der komplexen Kriegsmaschinerie letztlich ein kleines Rädchen war. Im Ersten Weltkrieg waren die Kriegsfotografen noch keine Stars, die selbstbewusst unter ihrem Namen publizierten. Vielmehr waren sie eingegliedert in die strenge militärische Hierarchie. Wenn wir also den Kriegsfotografen auf die Spur kommen wollen, müssen wir in den militärischen Archiven recherchieren, in unserem Fall im Wiener Kriegsarchiv, wo die Akten des k.u.k. Kriegspressequartiers (KPQ) aufbewahrt werden. Es handelt sich dabei um die Propagandaeinrichtung der österreichischen Armee, die nach und nach auch den Wert der Bildpropaganda entdeckte.

Exax war Mitglied des Kriegspressequartiers. Er hat aber auch ein Tagebuch hinterlassen, das Aufschluss über seine Tätigkeit im Krieg gibt. Und schließlich sind viele seiner in Zeitungen und Büchern veröffentlichten Bilder erhalten. Wenn man die Presse der Jahre 1914 bis 1918 durchblättert, begegnet man häufig seinen Aufnahmen, aber nicht seinem Namen. Denn er lieferte seine Bilder an eine Wiener Fotoagentur namens Kilophot, unter deren Namen sie in der Öffentlichkeit auftauchten. Es ist also einige Recherche nötig, um das Werk Exaxs nach so vielen Jahren zu rekonstruieren und wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu holen.