Dass solche Lösungen gut funktionieren können, hat auch Hirsch schon erlebt: "Dass Vater und Mutter wieder eine Beziehung beginnen, passiert eher nicht. Aber viele Eltern haben sich im Zuge der Betreuung wieder so weit zusammengerauft, dass sie zumindest für das Kind als Mama und Papa da waren und es aus dem Beziehungskonflikt herausgehalten haben. Und das ist schon eine große Leistung. Da liegt die Elternrolle klar auf dem Tisch, damit können wir gut arbeiten, das tut auch dem Kind gut, davor haben wir Hochachtung." Die Kinder gehen ihrer Erfahrung nach auch meistens recht entspannt damit um, wenn die Eltern gleichzeitig neue Partner haben. "Die machen das Beste daraus, ist mein Eindruck. Patchwork-Familien sind ja heute keine Ausnahme mehr." Dass Kinder mit solchen Situationen sehr pragmatisch umgehen, glaubt auch Koppensteiner. "Glücklich sind aber die wenigsten dabei", ist er überzeugt. "Wenn man Kinder egal welchen Alters fragt, was sie sich wirklich wünschen, dann ist das meistens Mama und Papa als heile Familie."

Längere Begleitung wäre gut

Für Koppensteiner ist die neue Familiengerichtshilfe jedenfalls "eine segensreiche Einrichtung, ein absolutes Highlight, da hat das Justizministerium wirklich tolle Arbeit geleistet". Vor allem, weil die Teams es immer wieder schaffen, "zumindest einen hoch eskalierten Konflikt herunterzubringen und den Stress für die Kinder zu reduzieren". Trotzdem überlegt er sich sehr gut, in welchen Fällen er die Familiengerichtshilfe einschaltet, auch um deren Ressourcen zu schonen. "Bei dieser Institution darf man auf keinen Fall sparen, sondern sie muss auf Dauer finanziert werden", betont Koppensteiner. Zumal er die Gefahr sieht, "dass sich die Jugendwohlfahrt nach und nach zurückzieht, weil der – falsche – Eindruck entsteht, dass die Familiengerichtshilfe ihre Arbeit übernimmt. Und würde man dann dort wieder einsparen, würde das ein riesiges Loch aufreißen."

Eine längere Begleitung durch die Familiengerichtshilfe wäre oft von Vorteil, denn nicht wenige geschiedene Paare, über deren Obsorge der Familienrichter entschieden hat, landen nach einiger Zeit wieder vor ihm. "Es gibt Akten, die ich kurz anschaue und nie wieder sehe, andere Verfahren ziehen sich über mehrere Jahre, da habe ich dann schon den Akt zum Namen im Kopf", meint Koppensteiner. Auch beim Jugendamt bräuchte es mehr Ressourcen, meint er: "Man sollte hier wesentlich mehr in die Zeit davor investieren. Wenn wir einmal vor Gericht angelangt sind, dann sind wir bei der Therapie, und da wird es Kosten-/Nutzen-mäßig immer schwieriger."

Väter und Kinder
nicht trennen

Landet ein Obsorgestreit vor Gericht, versucht der Familienrichter, parallel zum Schlichtungsverfahren die Kinder möglichst rasch wieder mit beiden Eltern zusammenzubringen. Denn oft reißt im Zuge einer strittigen Scheidung der Kontakt zu einem Elternteil – eher zum Vater – ab. "Je länger Väter und ihre Kinder einander nicht sehen, desto mehr leidet ihre Beziehung darunter", ist Koppensteiner überzeugt. Und ein Verfahren kann schon einmal drei, vier Monate dauern, oft auch viel länger. "So lange darf man mit dem Kontakt nicht warten. Das ist ja auch für die Kinder eine halbe Ewigkeit." Auch hier ist die Familiengerichtshilfe eine große Hilfe.

Schwierigkeiten gibt es, wenn Gewalt seitens eines Elternteils im Spiel ist. "Wenn sich das klären lässt und es wirklich nicht im Interesse des Kindes ist, dann wird der Kontakt zum Vater natürlich abgebrochen, meistens schon im Vorfeld durch das Jugendamt." Oft steht allerdings Aussage gegen Aussage. Und die Abklärung, ob an den Vorwürfen tatsächlich etwas dran ist, kann dann bis zu einem halben Jahr dauern. In diesen Fällen wäre eine Besuchsbegleitung zum Schutz des Kindes angesagt, damit Vater und Kind nicht monatelang getrennt bleiben. "Doch diese Stellen sind massiv unterfinanziert. Da gibt es Einrichtungen, die nur Montag bis Freitag zu Arbeitszeiten verfügbar sind – da hat ein Vollzeit arbeitender Vater gar keine Chance, sein Kind mit einer Begleitung zu treffen." Hier würde er sich mehr Ressourcen wünschen. Vor allem, weil gerade Väter mit Kindern in schwierigen Lebensphasen nicht alleine gelassen werden sollten – und zwar im doppelten Wortsinn.
Und nicht zuletzt ist auch das wieder eine Geldfrage: "Wir haben zum Teil sehr hohe Gerichtsgebühren. Und die Verfahrenshilfe übernimmt zum Beispiel die Besuchsbegleitung nicht. Da scheitert es dann womöglich auch an ein paar hundert Euro, dass ein Vater sein Kind vor dem Ende des Verfahrens sehen kann."