Stadtforscher Peter Habinger in der Berggasse im 9. Bezirk: Hier merkt man wenigstens deutlich, dass es bergauf geht. - © Jasmin Ziegler
Stadtforscher Peter Habinger in der Berggasse im 9. Bezirk: Hier merkt man wenigstens deutlich, dass es bergauf geht. - © Jasmin Ziegler

Beim Leopoldsberg und beim Kahlenberg sieht man es ja noch ein, aber was in Wien sonst noch alles als Berg oder zumindest Hügel firmiert, verwundert nicht nur Westösterreicher. Der Wiener Stadtforscher Peter Habinger erklärt, wie es zu den Bezeichnungen gekommen ist.

Da steht sie mitten in Wien und traut ihren Augen nicht: Die Tiroler Kabarettistin Tanja Ghetta hat es in ihrem Programm "Eingefädelt" in die Hauptstadt verschlagen, wo sie im Stadtplan lauter Berge findet, die sie dann vergeblich sucht: Laaer Berg, Spittelberg, Erdberg . . . Denn ihren ersten Eindruck von Wien beschreibt sie so: "Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in Innsbruck vor die Tür gehen, und die Berge Sie richtiggehend erschlagen? Genau das Gegenteil davon." Die Kabarettistin spricht hier – überspitzt formuliert – nicht nur die Gedanken vieler Besucher aus Westösterreich aus, sondern wohl auch nicht weniger Wiener. Denn wer hat sich nicht schon gefragt, wo denn bitteschön die ganzen Berge und Hügel sein sollen, die hier namentlich erwähnt werden.



Der Konstantinhügel ist heute durch den Baumbewuchs kaum noch als Hügel wahrnehmbar. Im Vordergrund der 1873 eröffneteKonstantinsteg, die baulich gesehen älteste noch bestehende Brücke Wiens. - © Jasmin Ziegler
Der Konstantinhügel ist heute durch den Baumbewuchs kaum noch als Hügel wahrnehmbar. Im Vordergrund der 1873 eröffneteKonstantinsteg, die baulich gesehen älteste noch bestehende Brücke Wiens. - © Jasmin Ziegler

Dazu muss man allerdings wissen, dass die Maßstäbe in vergangenen Jahrhundert nicht so streng waren, wie der Wiener Stadtforscher Peter Habinger erklärt: "In früheren Zeiten wurden bereits kleine Erhebungen als Berg bezeichnet." Daher gab es nicht nur im (heutigen) 9. Bezirk eine Berggasse, sondern auch im 6., 11., 13., 14., 17., 18., 19. (gleich zweimal), 21. und 23. Bezirk, außerdem eine Bergstraße im 10., 13. (zweimal) und 14. Bezirk.
Am Fuße der heute erhaltenen Berggasse im 9. Bezirk, wo das "Wiener Journal" den Stadtforscher getroffen hat, tut man sich wenigstens nicht ganz so schwer, die Bezeichnung nachzuvollziehen, geht es doch bis zur Währinger Straße ordentlich bergauf. Ihren Namen hat sie 1862 bekommen, nach dem steilen alten Donauuferhang. Frühere Bezeichnungen lauteten: An der Bergstraße, Holzstraße, Schottenpoint oder auch Am Ochsenbergl. Habinger verweist auch darauf, dass "der Teil gegen die Währinger Straße ursprünglich ein mit Weinreben bepflanzter Hügelrücken war". Heute weist noch das Hotel am Schottenpoint (Währinger Straße 22) auf den alten Namen für den Abhang von der Währinger Straße zur Liechtensteinstraße hin, der auch als Schottenberg oder Schottenbühel bekannt war, benannt nach den sogenannten Schotten, die eigentlich Mönche aus Irland ("Scotia maior") waren und von Markgraf Heinrich II. Mitte des 12. Jahrhunderts nach Wien berufen wurden.