Ich habe über meinen Vater zu diesem Instrument gefunden. Er selbst hat schon hier im Orchester gespielt. Ich kann mich also eigentlich nicht daran erinnern, wann ich das erste Mal ein Horn gehört, in Händen gehalten oder gesehen habe. Es war ein fließender Übergang.

Davor habe ich lange Geige gespielt. Mit fünf oder sechs Jahren habe ich damit begonnen und war mäßig erfolgreich. Zwar war ich nicht untalentiert, doch ich war relativ faul. Meine Lehrerin hat mir anfangs eine große Zukunft prophezeit, aber das ist dann immer weniger geworden. Sie hat ihre Erwartungen schrittweise reduziert.
Mein Vater hat dann gesagt ich muss üben, mehr üben und ich wollte einfach nicht. Ich habe sogar Tonbänder aufgenommen, die ich dann abgespielt habe, damit für meine Eltern im Hintergrund ein Geräusch zu hören war. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem alle gesagt haben, dass es keinen Sinn mehr hat und nachdem es mir ohnehin keine Freude mehr gemacht hat, habe ich aufgehört.

Dann hat mein Vater vorgeschlagen, dass ich ein anderes Instrument ausprobiere. Ich war für alles offen und habe erst ein wenig auf der Posaune probiert, aber das war nicht meines. Irgendwann kam ich dann auf das Horn und bin dabei geblieben. Gleich von Beginn ging es mir leicht von der Hand, ich dürfte doch irgendwo ein Talent dafür haben. Und ich war sehr enthusiastisch, etwas, das ich bei der Geige nie so gehabt habe.

Ein Klang wie Samt

Das Wiener Horn ist ein ganz spezielles Instrument. Es ist anders gebaut als die normal gebräuchlichen Hörner. Viele sagen, dass es einen dunkleren Klang hat, aber eigentlich hat es einen helleren. Es sind wesentlich mehr Obertöne dabei. Es klingt samtig und strahlender als die Doppelhörner, die auf der ganzen Welt gespielt werden. Außerdem ist es wesentlich schwieriger und aufwendiger zu spielen. Es ist anfälliger für Fehler. Ich erlebe es immer wieder, wenn ich es einen Kollegen im Ausland ausprobieren lasse, dass der dann nicht viel anders klingt als auf seinem eigenen Instrument. Wenn man nämlich darauf so spielt wie auf einem Doppelhorn, klingt es auch nicht besonders anders.
Ich will mich nicht so weit hinauslehnen zu sagen, dass man die Wiener Philharmoniker wegen des Wiener Horns mit geschlossenen Augen erkennt, aber natürlich erkennt man das Wiener Horn an sich. Es hat eine Technik, die bei einer Bindung den Luftstrom nicht unterbricht. Bei Doppelhörnern hingegen ist das Ventil so gebaut, dass, wenn es gedrückt wird, der Luftstrom einmal kurz unterbrochen wird, wenn er in die andere Röhre umgeleitet wird. Beim Wiener Horn ist der Übergang schleichend. Diesen Unterschied hört man auf der ganzen Welt.