Ich kann mich an die erste Opernaufführung erinnern, die ich mit den Philharmonikern gespielt habe. Ich werde nie vergessen, wie schön es war, als das Licht draußen ausging und nur noch die Pultlampen an waren. Ich hatte vorher noch nie Oper gespielt und habe an diesem Tag zum ersten Mal aus dem Orchestergraben erlebt, wie das ist. Es ist so ähnlich wie im Kino. Man fühlt sich so geborgen. Dann kam der Dirigent herein und ich habe nur gedacht: Den kenn ich, der ist total berühmt. Wer ist das nur? Man hatte mir zuvor gesagt, dass die berühmten Dirigenten nur selten Opernvorstellungen dirigieren, weil die Oper sich das nicht ständig leisten kann. Also stoße ich meinen Nachbarn an und frage und er sagt: Ach du, das ist der Mehta (Zubin Mehta, indischer Stardirigent, Anm.). Als wäre das etwas ganz Normales.

Mein Instrument ist …

Meine Geige ist ein Spiegel. Ich weiß ganz genau, dass, wenn es nicht richtig geht, das irgendwo auch mit mir zu tun hat. Es liegt natürlich viel am Wetter, da wird das Instrument dann manchmal auch zum Feind. Es gibt bestimmte Wettersituationen oder auch trockene Luft im Flugzeug, die das Instrument verändern. Das ist bei Streichinstrumenten immer zu spüren und da muss man einfach durch. Man darf das Instrument dann nicht zwingen wollen, dass es genauso klingt wie immer. Für mich ist die komische Regel, und dieser Meinung werden vielleicht nicht alle sein, dass, wenn es ein bisschen kälter ist, das Instrument besser klingt. Je wärmer ein Saal ist und je feuchter die Luft ist, desto mühsamer wird es.

Mit berühmten Dirigenten zu
arbeiten ist wie …

Wir haben das Glück, dass wir wahrscheinlich das Orchester mit den meisten Top-Dirigenten sind, weil wir keinen Chef haben, der aufpasst, dass zu viele andere ähnlich gute oder womöglich noch bessere kommen. Es gibt natürlich solche Typen wie den Georges Prêtre, die mit dem Orchester fahren wie mit einem Sportwagen. Der erwartet von uns Dinge, die vielleicht gehen, wenn ein Duo spielt, ein Pianist und ein Geiger. Das erwartet er von so einem 90-köpfigen Haufen in der gleichen Form. Das habe ich früher nie für möglich gehalten.

Als Konzertmeister muss ich …