Maxim Brilinsky - © Christoph Liebentritt
Maxim Brilinsky - © Christoph Liebentritt

Ein Anfang ist immer ein Anfang. Man weiß nicht, wie es sein wird, und macht sich ein paar Sorgen. Mein Anfang bei den Philharmonikern war die intensivste Zeit, weil ich mich mit dem ganzen Repertoire beschäftigen musste, das mir da plötzlich auf den Kopf fiel.  Ich weiß nicht, wie viele Symphonien und Opern wir spielen, aber ein Großteil davon fällt auf das erste Jahr und das war riesengroß. Doch die wichtigste Komponente überhaupt für das Orchesterspiel sind die offenen Ohren. Ohne die geht gar nichts. Ich persönlich kann mir ein symphonisches Orchester ohne die Oper nicht mehr vorstellen. Das ist die Basis für das Zuhören und man lernt sehr viel. Es gibt einen wunderbaren Satz von Leopold Mozart in seiner Violinschule: "Erst der, der gut begleiten kann, darf solistisch spielen." Er macht natürlich eine Fußnote, denn er meint damit nicht die großen Solisten. In der Oper begleiten wir, aber im Musikverein sind wir natürlich Solisten, das ganze Orchester ist da ein Solist. Deshalb glaube ich, dass man gerade am Anfang immer daran denken sollte, dass Begleiten wirklich eine große Kunst ist. Das muss man so schnell wie möglich lernen.

Gute und nicht so gute Tage

Natürlich ist nicht jeder Tag gleich. Wir sind alle Menschen und haben gute und schlechte Tage. Wir arbeiten sehr intensiv und spielen eine ganze Menge an Stücken. Das ist etwas, das ich positiv sehe. Viele würden sagen, bei dieser Menge leidet die Qualität, doch das stimmt in unserem Fall nicht, denn diese Bandbreite trägt dazu bei, immer hohe Qualität zu liefern. Das hat manchmal auch Auswirkungen auf die Muskulatur. Man muss gut auf sich selbst achten, damit man nichts Falsches tut. Man muss nicht nur spielen, sondern auch darüber nachdenken, wie man das Ganze auf seinen Körper verteilt.

Die viele Arbeit wirkt sich auch sehr stark auf das Familienleben aus, weil man nicht so viel Zeit mit den Kindern und der Frau verbringen kann, wie man gerne möchte. Meine ältere Tochter ist gerade fünf Jahre alt geworden, die jüngere ist ein halbes Jahr alt. Ich selbst habe mit fünfeinhalb angefangen, Geige zu spielen, doch bei meinen eigenen Kindern möchte ich mich da nicht zu sehr beeilen. Man muss Kinder das Leben genießen lassen.

Die Kunst des Hörens

Es gibt Momente, die perfekt sind. Dieses Orchester spielt anders als andere. Die Ohren der Kollegen sind anders gespitzt. Es mag nach einem komischen Vergleich klingen, aber es ist ein bisschen wie beim Autofahren. Wenn man nur eine Spur sieht, kommt es bestimmt zu einem Unfall. Man muss wissen, was in der Umgebung passiert. Wenn man neu zu den Philharmonikern kommt, muss man natürlich genauso sein. Am Ende macht man damit sich selbst glücklich.

Natürlich spielt man alles, was man kann und was sein soll. Den Kopf aber muss man so aufteilen, dass man sich auf andere Sachen konzentriert. Dabei kann man sich selbst nie gut genug sein. Es ist legitim, das zu sagen und man braucht keine Angst davor zu haben. Man muss lernen, das gesamte Bild als erstes zu denken. Selbst wenn Richard Strauss an einer Stelle gesagt hat, das sind keine Noten, sondern das ist Klangfarbe.

Was ein langes Konzert mit dem Körper macht

Von den Scheinwerfern oder vom Spielen her? Ein schönes Konzert lässt einen nur an das Schöne denken und andere Sachen spielen keine weitere Rolle. Natürlich schwitzt man, das ist ganz normal. Der eine mehr, der andere weniger. Aber es ist ja so schön, dass alles absolut in Ordnung ist. Natürlich muss man sehr auf seine Hände aufpassen und wenn der Orchestergraben sehr eng ist, dann auch auf die Augen, damit man nicht den Bogen des Nachbarn abkriegt. Man muss auf sich achten wie in jedem Beruf.

Wir klingen wie…

Ja, der Wiener Klang ist etwas Besonderes, worüber man sich jedes Mal erneut wundert. Er ist anders, aber es ist unmöglich, ihn zu beschreiben.