Ich habe zuerst einmal mit Klavier angefangen und im Alter von vier habe ich dann zur Geige gewechselt. Die Musik wurde mir in die Wiege gelegt, meine Mama ist auch Pianistin. Ich erinnere mich, dass es mir immer irrsinnigen Spaß gemacht hat. Mit dem Üben war das zwar immer ein bisschen kompliziert, speziell wenn die anderen Kinder in der Freizeit etwas anderes gemacht haben. Bei mir hatte die Geige Priorität, wobei das nie von meinen Eltern erzwungen wurde.

Gitarristen kaufen ständig neue Gitarren. Geiger aber …

Finanziell gibt es einen ziemlichen Unterschied zwischen einer guten Geige und etwa einer Gitarre. Selbst wenn man sich etwas zur Seite legt, für eine wirklich gute alte Geige reicht es nicht, denn diese sind unbezahlbar. Ich selbst spiele auf einem modernen Instrument, das kaum sechs Jahre alt ist. Das ist natürlich finanziell etwas Anderes. Aber dass man sich sagt, ich kaufe mir nebenher eine zweite Geige, ist finanziell nicht drinnen. Ich spiele immer auf demselben Instrument. Matthieu Devuyst, ein belgischer Geigenbauer, der in Wien sesshaft ist, hat sie gebaut. Darauf habe ich auch mein Probespiel bei den Philharmonikern gewonnen. Weil sie so neu ist, fehlen ihr definitiv Dinge, die eine alte italienische Geige hätte. Dem modernen Klang fehlt das Tiefe und Warme dieser Geigen. Aber ich bin auch mit meiner modernen Geige sehr glücklich.


Der alles entscheidende Tag

Mein Probespiel war am 11. Dezember 2012 und ich möchte behaupten, dass es wahrscheinlich bei jedem von uns so ist, dass der Tag des Vorspielens in Erinnerung bleibt. Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und bin dann irgendwann um sechs aufgestanden, weil um halb zehn das Probespielen begann. Die Nerven spielten verrückt. Bei meinem Probespiel waren glaub ich 15 Teilnehmer. Eingeladen waren sicher mehr. In der zweiten Runde waren dann noch drei Leute. Zwischen Musiker und Jury ist ein Vorhang und man sieht bis zum Finale niemanden außer dem Betreuer. Jeder, der vorspielt, bekommt eine Nummer, damit ein fairer Auswahlprozess gewährleistet wird. Der Betreuer sagt dann diese Nummer auf, und man spielt. Das Ergebnis von diesem Probespiel kann man mit keinem einzigen anderen Auftritt vergleichen. Die Freude danach war so dermaßen groß, aber auch surreal. Es passierte dann plötzlich alles so schnell. Auf einmal hat man die Stelle und alle gratulieren einem und im April hatte ich Dienstantritt.