Gregor Hatala als Kronprinz Rudolf in "Mayerling". - © Michael Pöhn
Gregor Hatala als Kronprinz Rudolf in "Mayerling". - © Michael Pöhn

Wenn andere dem Zenit ihres Berufslebens entgegeneilen, gehört der Tänzer längst zum alten Eisen. Rost inklusive. Der Werdegang ist zeitlich eng begrenzt, der körperliche und physische Aufwand aber enorm. Wenn man von schlimmen Verletzungen verschont bleibt, endet die Laufbahn eines Balletttänzers so um den 40. Geburtstag herum. Und nun? Arbeitslose, Fauteuil und Fernsehen? Ein Albtraum für einen Künstler, der sein Leben lang mit vollem Einsatz an seine Grenzen ging und dessen soziales Leben mit dem beruflichen deckungsgleich ist, weil es in allen Facetten des Lebens nur ein Thema gibt. Und das heißt Ballett. Daher sind Choreografieren und Ballett unterrichten die wohl häufigsten Jobalternativen für die Karriere nach der Karriere.

Auch für Gregor Hatala, aber nicht nur. Das wäre zu wenig Herausforderung. Seit Dezember ist der ehemalige Solist, vormaliger Erster Solist des Wiener Staatsballetts, in Pension. Er ist gerade einmal 40 Jahre alt.

Den jahrelangen Hochleistungssport, denn das bedeutet Ballett ja, sieht man ihm dennoch nicht an. Er bewegt sich nach wie vor geschmeidig. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Gröbere Verletzungen während dieser Karriere stehen oft, viel zu oft, auf der Tagesordnung. Manch "älterer" Tänzer kann auch schon einmal sichtbare Folgen seiner Profession aufgrund von Schmerzen nicht verbergen. "Ich habe immer mehr bemerkt, dass Ballett nicht gesund ist. Es ist jetzt weniger das Gefühl von ,schade, es ist vorbei‘ als von ,ich habe es g‘sund überstanden‘", meint Gregor Hatala im Gespräch.

Doch was heißt in diesem Beruf "gesund"? Natürlich seien gewisse Abnützungen da, aber er könne Schifahren, Laufen und er werde auch den Kampfsport wieder intensivieren. "Ich hab' keine schweren Verletzungen erlitten, keine Operationen. Die Knie sind schon bedient, aber nichts Dramatisches", spielt Hatala die gesundheitlichen Folgen herunter. Immerhin war er 24 Jahre Mitglied des Balletts der Wiener Staatsoper, als Solist und später sogar Erster Solist, dazwischen hatte er ein Jahr lang in Boston ein Engagement. Wehmut ob des Endes einer tänzerischen Traumkarriere? – Hatala ist eher realistisch: "Man weiß schon als Kind, dass diese Karriere ein frühes Ende haben wird. Aber gleichzeitig ist es immer so weit weg." Denn während man den Beruf ausübt, stellt man das Stoppschild für die Karriere in weite Ferne. Und das, obwohl der Beruf mit den Jahren schwieriger und – rein körperlich – nicht anstrengender, aber spürbarer wird: "Um das Niveau zu halten, muss man sich tagtäglich durchbeißen, es wird nicht leichter." Da drängt sich die Frage auf: "Wenn Sie zurückblicken: Würden Sie wieder Tänzer werden wollen?" Hatala zeigt sich überzeugt: "Wenn ich den Verlauf meiner Karriere betrachte, dann würde ich das bejahen. Wenn man aufs Finanzielle schaut, dann würde ich mich für etwas Anderes entscheiden." Fußballer oder so. Denn er hat erst kürzlich gehört, dass manch ein Kicker 20.000 Euro am Tag verdienen würde. "Das bekommen Ensemble-Mitglieder im Jahr!"