Ein Versicherungsagent, dessen Geschäftszweig die Wiederbeschaffung von gestohlenen Kunstwerken ist. Ein Fälscher, der begehrte Werke kopiert und sie unter die Originale mischt, so dass am Ende niemand mehr sagen kann, welches Gemälde echt und welches gefälscht ist. Ein Sammler, der seine Objekte der Begierde eifersüchtig von der Öffentlichkeit abgeschirmt in Tresorräumen lagert und sich in stillen Momenten an ihnen begeilt.

Das Szenario, das Andreas Lukoschik in seinem Krimi "Die Cézanne Connection" entwirft, ist natürlich reine Fiktion und doch - wenn man sich an die Skandale und Enthüllungen erinnert, die in den letzten Monaten und Jahren die Kunstwelt erschütterten, scheint einem manches vielleicht gar nicht so weit hergeholt.

"Kunst war einmal eine seriöse Sache. Für viele ist sie es immer noch. Das Geschäft mit ihr ist es nicht", schreibt Heinz Peter Schwerfel  im deutschen Kunstmagazin "Art" in einem Kommentar im Zusammenhang mit der Verurteilung des deutschen Kunstberaters Helge Achenbach. Achenbach wurde im März vom Essener Landgericht wegen Betrugs an seinen Kunden zu sechs Jahren Haft verurteilt. Unter anderem soll er den inzwischen verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht um rund 19 Millionen Euro erleichtert haben. Tausende Werke aus dem Inventar von Achenbachs Firmen wurden Mitte Mai zu teils überaus günstigen Schätzpreisen versteigert.

Kunst, vor allem moderne Kunst, erfreut sich einer nie dagewesenen Beliebtheit. Es sei dahin gestellt, ob die Akzeptanz für Zeitgenössisches sich derart positiv entwickelt hat, oder ob es doch nur um schnöden Mammon geht. Wenn sogar Kreuzfahrtreedereien Millionen für Kunstsammlungen ausgeben, die lediglich zur standesgemäßen Innendekoration – um nicht zu sagen Behübschung – diverser Luxuskähne dienen, dann stellt sich die Frage, welchen Stellenwert Kunst derzeit überhaupt hat. Geht es noch darum, dass ein Künstler mit seinem Werk eine Botschaft vermitteln will, oder nur noch darum die Nachfrage diverser Märkte zu befriedigen?


Gesetzmäßigkeiten des Marktes

Der Wiener Galerist und Autor Hubert Thurnhofer beschäftigt sich  in seinem Buch "Die Kunstmarkt Formel" mit den Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarktes und definiert als "Kunstmarkt-Formel V" wie folgt: "Der Wert eines Kunstwerks entsteht durch den Schöpfungsakt eines Künstlers, der Preis eines Kunstwerks entsteht durch Marketingmaßnahmen. Das Marketing ist für die Bewertung eines Kunstwerks zwar unerheblich, für die Preisbildung jedoch wichtiger als in jedem anderen Markt. Die Preisbildung folgt der Logik des Geldes, die Wertschöpfung folgt der Logik des Künstlers."