Damit nicht genug: "Vor 2017 stagnierte das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, seither steigt es nur leicht an", erklärt Mayrhuber. "Zugleich hat sich die Beschäftigungszahl enorm erhöht." Die Folge: "Das Arbeitsvolumen muss auf mehr Köpfe aufgeteilt werden." Der Druck zur Teilzeit wächst. Hier wiederum sind zwei Phänomene zu beobachten: Einerseits gibt es "eine riesengroße Gruppe, die unfreiwillig Teilzeit beschäftigt ist", so Mayrhuber. Auf der anderen Seite steht eine große Zahl an Arbeitslosen: "Die Republik gewöhnt sich daran, dass wir 300.000 Arbeitslose haben. Das ist katastrophal", hält die Ökonomin fest.

Aus ihrer Sicht wird sich diese Situation in Zukunft noch verschärfen: "Es wird mehr Kämpfe zwischen jenen geben, die viel Arbeit haben, und jenen, die arbeitslos sind." Arbeitszeitverkürzung ist denn auch ein Stichwort, das immer mehr Ökonomen fallen lassen. Denn sie ist eine Möglichkeit, die Arbeitszeit umzuverteilen.

Brauchen wir weniger Arbeit für mehr Geld?

In der Industriellenvereinigung (IV) zweifelt man an den Einwänden und lehnt den Lösungsvorschlag Arbeitszeitverkürzung bei mehr Lohn ab. Die hohe Arbeitslosigkeit sei natürlich ein Problem – aber eines, das zu bewältigen sei, ist Clemens Wallner überzeugt. Wallner ist der wirtschaftspolitische Koordinator der IV. Die Ursache der Arbeitslosigkeit, sagt er, sei ein "Mismatch". Es gelänge einfach nicht gut genug, Arbeitssuchende und offene Stellen zusammenzubringen. Die Arbeitslosenstatistik sei zudem nicht aussagekräftig: "Nicht alle Jobs werden über das Arbeitsmarktservice vermittelt", argumentiert er. Dass momentan insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit hoch ist sowie jene von älteren und kranken Menschen, räumt Wallner ein.

Seinen Optimismus trübt dies nicht, vor allem nicht mit Blick auf die Digitalisierung. Sie weist für ihn den Weg aus der Problematik: "Die Anzahl der Jobs wird steigen und auch die Löhne", ist Wallner von der positiven Entwicklung überzeugt. Die Digitalisierung werde insbesondere höher qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, somit sei auch damit zu rechnen, dass längerfristig die Lohnsumme wieder steige.

Arbeiten für Facebook in Menlo Park, Kalifornien - © APAweb / AFP / Josh Edelson
Arbeiten für Facebook in Menlo Park, Kalifornien - © APAweb / AFP / Josh Edelson

Dieser geradezu ungebrochene Optimismus aufseiten der Wirtschaft prallt auf die skeptischen Beobachtungen der Wissenschaft. Denn in ungeahnter Geschwindigkeit stellen Digitalisierung und Automatisierung so manche Annahmen auf den Kopf. Eine davon ist jene, wonach nur schlecht bezahlte Routinetätigkeiten wegfallen werden. "Was wir schon gewohnt waren ist, dass die Automatisierung in der Fertigung stattfindet", erläutert Köszegi. "Hier gab es schon große Umbrüche. Aber jetzt erfasst sie auch Jobs, die man unter dem Schlagwort Knowledge Worker zusammenfassen kann."

Eine von vielen guten Nachrichten, die auch das Thema Digitalisierung in einem durchaus positiven Licht erscheinen lassen: "Die Produktivität steigt nach wie vor", so Mayrhuber. Die Kehrseite der Produktivitätsgewinne wiederum: "Es wird so bleiben, dass es nicht mehr alle Beschäftigten braucht", vermutet sie. Auch ihre Kollegin Köszegi und die Politikwissenschaftlerin Prainsack sehen dies ähnlich. Spricht man also nicht darüber, wie diese Produktivitätsgewinne verteilt werden, sieht es in der Tat schlecht für die soziale Sicherheit aus.