Die Arbeit wird leichter

Auch Infineon-Ingenieur Moser ist fest davon überzeugt, dass durch die Digitalisierung mehr neue Arbeitsplätze entstehen werden, als durch die Automatisierung wegfallen. Er selbst war lange Chef der Qualitätssicherung und nennt ein Beispiel aus seiner eigenen Praxis. "Ich träume schon lange von der Qualitäts-Alexa", sagt er in Anspielung auf die Sprachsteuerung des US-Konzerns Amazon. Diese könnte direkt während der Arbeit viele Fragen beantworten, sodass man schneller reagieren könnte.

Die Digitalisierung macht die Arbeit leichter, schafft sie aber nicht ab. Auch aus der Fertigung hat Ingenieur Moser ein Beispiel parat: "Ähnlich wie bei einem Tower am Flughafen könnten wir die automatisierte Fertigung überwachen und verschiedene Daten zusammenbringen." So ließen sich Prozesse optimieren und Fehlerquellen schneller beheben. "Rundherum entstehen neue Arbeitsplätze und neue Jobprofile", ist Moser überzeugt. Einzig die Herausforderungen in puncto Weiterbildung gelte es zu meistern. Weiterbildung und neue Qualifikationen sind ebenfalls ein Thema des Forschungsprojekts iDev40.

Wenn sich also nur die Tätigkeiten verändern, ist doch alles in Ordnung? "Das ist zunächst beruhigend", sagt Köszegi . Doch sie hat ein großes Aber: "Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es enormer Anstrengungen bedarf, um Menschen im Arbeitsmarkt zu halten. Und die große Frage ist: Schaffen wir das? Denn das ist nicht trivial." Für problematisch hält sie vor allem die Vorstellung, dass es lediglich größerer Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung bedürfe. "Wir stellen uns das so vor – aber wollen die Menschen das selbst auch?", gibt sie zu bedenken.

Barbara Prainsack ärgert es geradezu, wenn die Diskussion über die Zukunft der Arbeit auf Fragen der Weiterbildung reduziert wird. Prainsack ist Politikwissenschaftlerin und forscht an der Universität Wien. Sie ist außerdem Mitglied der European Group on Ethics in Science and New Technologies, einem Beratungsgremium der Europäischen Kommission.

Prainsack selbst verwendet lieber das Wort "upskilling", da es den Kern besser träfe: Menschen nicht einfach nur weiterbilden, sondern sie möglichst auf die völlig neuen Herausforderungen vorbereiten. "Es wird Leute geben, die nicht upskillbar sind, weil sie bestimmte Skills nicht erwerben können", gibt sie zu bedenken. Das heißt für Prainsack, man darf die Frage der Anpassung an die Digitalisierung nicht den Individuen zuschieben, sondern man muss auf gesellschaftlicher Ebene Lösungen finden und damit Anpassung erst ermöglichen.