Genau mit diesen Herausforderungen beschäftigt sich Arbeit Plus, das Netzwerk gemeinnütziger, arbeitsmarktpolitischer Unternehmen in Österreich. Man dürfe bei allen Chancen, die auch für benachteiligte Menschen von der Digitalisierung ausgehen können, die Risiken nicht übersehen, hält die stellvertretende Geschäftsführerin Schifteh Hashemi fest. "Digitalisierung bringt neue Exklusionsgefahren mit sich. Diese werden aber vergleichsweise wenig thematisiert", kritisiert sie. Denn gerade schlecht ausgebildete, langzeitarbeitslose, behinderte und benachteiligte Menschen würden Gefahr laufen, komplett den Anschluss am Arbeitsmarkt zu verpassen.

Das Bildungssystem stößt an seine Grenzen

Um die Menschen auf eine vermutlich noch dynamischere Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten, spielt das Bildungssystem eine zentrale Rolle. Genau dieses aber bereitet Köszegi Kopfzerbrechen, da es bereits an seine Grenzen stößt: "Wir bringen es jetzt schon kaum zusammen, dass alle Kinder sinnerfassendes Lesen lernen." Ein Problem ist, dass das österreichische Bildungssystem enorm sozial selektiv ist, es also nicht schafft, dass möglichst viele Kinder später gute Chancen am Arbeitsmarkt haben. Vielmehr ist die Arbeitslosigkeit für zu viele junge Menschen ein  realistisches Zukunftsszenario.

Informatikunterricht an einer Schule in Deutschland - © APAweb / dpa / Friso Gentsch
Informatikunterricht an einer Schule in Deutschland - © APAweb / dpa / Friso Gentsch

Arbeitswissenschaftlerin Köszegi ist überzeugt: "Es braucht sehr, sehr grundlegende Anstrengungen in der Bildung. Das muss vom primären bis zum tertiären Sektor reichen. Wir müssen die Menschen von Beginn an besser ausbilden."

Eine Institution aus dem tertiären Bereich, der die Anpassung gelingt, ist die WU Wien. Dort hat man auf die neuen Herausforderungen reagiert, bietet bereits entsprechende Spezialisierungen an und ist dabei, die Studienpläne entsprechend zu reformieren. Die ehemalige IBM-Generaldirektorin und nunmehrige Vizerektorin Tatjana Oppitz formuliert die Herausforderung folgendermaßen: "Wie können wir die Fähigkeiten, die in Zukunft benötigt werden, also die berühmten ‚skills for the future‘ vermitteln?" Als Gesellschaft stehe man hier in der Tat am Anfang, räumt sie ein. "Aber es passiert sehr viel." Aus ihrer Sicht befinden wir uns momentan in einer Transformationsphase, mit all ihren widersprüchlichen Entwicklungen. Von daher ist sie optimistisch: "Ich mach mir keine Sorgen, dass uns das gelingen wird."

Die langfristigen Risiken niedriger Einkommen

Fasst man Arbeitsmarktpolitik weiter, so treten noch viele weitere Digitalisierungsherausforderungen zutage. Denn der Arbeitsmarkt ist deutlich dynamischer geworden, wie Ökonomin Mayrhuber zu bedenken gibt. Entsprechend stärker fluktuieren auch die Einkommen.

Viele Arbeitsplätze in der Industrie sind weggebrochen, dafür gibt es mehr Arbeit im Dienstleistungssektor – und dieser ist eben nicht gerade für lukrative Gehälter und stabile Beschäftigungsverhältnisse berühmt. Auch die Form der Beschäftigung hat sich verändert: Firmen haben aus Kostengründen Tätigkeiten ausgelagert, sodass eine große Gruppe an Neuen Selbständigen entstanden ist. "Es gibt mehr Teilzeitbeschäftigung, seit den 1990er-Jahren sind Phänomene wie geringfügige und atypische Beschäftigung dazu gekommen", erläutert Mayrhuber. "Somit wirkt ein beitragsorientiertes Sozialversicherungssystem schlechter, ganz unabhängig von der Digitalisierung."