2013 ist zwar das Jahr der Schlange, man wird aber auch von der Maus reden. Vor 45 Jahren stellte sie sich öffentlich  vor. Vor 40 Jahren rollte sie bereits als "Kugelmaus" in Massen von den Fließbändern. Und vor 30 Jahren übernahm sie das Kommando: Der Apple-Rechner "Lisa" ergab ohne Maus einfach keinen Sinn.

Dank der Maus können wir mit Computern Händchen halten. Intimität über Gattungsgrenzen hinweg, das ist ihr historisches Verdienst: Sie hat uns miteinander verkuppelt, das verschaffte ihr schnell einen guten Ruf.


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Die Maus wirkt gleich noch netter, wenn man bedenkt, wie es ohne sie war. Die alten Computer waren durchwegs furchterregend. Kaum kleiner als Lastautos, liefen sie schnell heiß, wegen der Abwärme ihrer vielen Elektronenröhren. Sie schluckten tonnenweise Karten und Streifen und ruckelten oft erst nach Tagen unverständliche Zahlenkolonnen heraus.

Als in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht nur der integrierte Schaltkreis, sondern auch der Sinn des Lebens entdeckt wurde, wurde die Datenverarbeitung endlich verzaubert. Die berüchtigten Nullen und Einser gewannen deutlich an Charme. Man konnte sie plötzlich in beliebiger Gestalt drehen und wenden, strecken und dehnen, vergrößern und verkleinern. Dank der großen Hilfe, die sie dabei war, wurde die kleine Maus schnell zum Lasttier der Computergesellschaft.

Niedlich, wie sie ist, fügt sie sich auch noch hervorragend ins Kindchenschema. Man sollte aber einmal genauer hinschauen. Meine Maus zum Beispiel ist kohlrabenschwarz. Ihr zackiges Design wirkt wie eine Apotheose auf den Ehrgeiz. Am Mausrad leuchtet ein blauer Ring aus Licht, auch das ein wenig unheimlich. Das Ding phosphoresziert wie ein Nachtgeschöpf. Man könnte sofort ein B-Movie mit so einer Maus drehen, mit ihr als Menschenfresser in der Hauptrolle.

Es ist ja die Frage, wer auf dem Schreibtisch der Herr und wer der Knecht ist. Drei rechte Winkel - am Knie, am Rumpf, am Ellbogen - formt der Werktätige, damit seine Maus zufrieden ist. Und das ein ganzes Arbeitsleben lang. Wahre Befreiung sieht anders aus.

Trotzdem leben wir so selbstverständlich mit der Maus, dass uns ihre Überwindung abwegig vorkommt. Aber das Ende der Maus wird uns gefallen. Schon jetzt lassen Computer mit sich reden, wenn man deutlich spricht. Das Wischen und Winken, auf das Handys und Tablets abfahren, ist ein weiterer Schritt in Richtung Endstation. Und diese Endstation liegt irgendwo im Hirn: Man bedeckt seinen Kopf mit einer Art Mousepad und steuert den Cursur mit Gedankenkraft, wäre dann also selbst die Maus. Besser geht's nicht. Man könnte bei der Arbeit mit dem Computer einmal wie der Denker von Rodin sitzen und, wenn der Chef wieder gegangen ist, wie Donald Duck auf der Couch. Das wird hoffentlich die Arbeitswelt verändern. Die heutigen Büromöbel huldigen alle ein bisschen zu sehr dem rechten Winkel.