Die Opfer, das sind die anderen. So denkt man sich das jedenfalls, wenn man hört, dass einer Kollegin der Google-Account gehackt oder der Computer eines Freundes ein Raub der Viren wurde. Man ist stolz auf die eigenen, angemessen paranoiden Verhaltensweisen, je öfter man von solchen Schicksalen hört. Bis dann der Tag kommt, an dem sich herausstellt, dass es keine Sicherheit gibt. Meine Kreditkartenfirma hat es mir schriftlich mitgeteilt.

Ich bin gehackt worden. Irgendwer befand sich im Besitz der langen Nummer, die vorne in das Plastik der Kreditkarte geprägt ist, und der drei Ziffern auf der Rückseite, die nur ich kennen sollte. Und gab mein Geld online auf eine Weise aus, welche die wachsamen Algorithmen der Kreditkartenfirma einem wie mir nicht zutrauen. Es wurden nämlich online Glückwunschkarten gekauft. Zu der Einsicht, dass ich auf so eine romantische Idee nie kommen würde, haben mich tatsächlich erst die Computer der Kreditkartenfirma gebracht. Sie kennen mich besser als ich mich selbst.

Es ist nichts passiert, die Maschinen legten beherzt alle mich betreffenden Räder in der Finanzwelt still. Aber das war mir auch nicht recht. Ich stand am Vorabend einer Reise mit meinem Sohn nach London, einer Stadt des Geldes und großer Einkaufsmöglichkeiten. Und ich hatte keine Zeit mehr, mir Geldscheine in sinnvoller Zahl zu beschaffen. Kein Problem, sagte die Kreditkartenfirma, sie würden das Plastikding weiter zahlungsfähig halten und mich nur aus der Onlinewelt aussperren. Diverse Sehenswürdigkeiten buchte ich einfach mit der Kreditkarte meiner Frau.

Als erstes meldete sich das Hotel, das ich vor Wochen online gecheckt hatte: "Ihre Buchung kann mit den angegebenen Kreditkartendetails nicht abgeschlossen werden." Ich möge das asap sanieren, sonst müssten sie unser Zimmer weitergeben. Ich rief also an und sagte, sie sollten sich keine Sorgen machen, es wäre nur meine Kreditkarte gehackt worden, mir ginge es gut. Die Londoner Hotellerie scheint mit derartigen Irritationen bestens vertraut, sie hat die Erklärung wurde anstandslos akzeptiert.

Zickig verhielten sich die Leute von den Sehenswürdigkeiten. Die vermuten gleich, dass etwas nicht stimmt, wenn man mit einer Kreditkarte, die einem nicht gehört, online Tickets kauft. Sie wollen sowohl die Kreditkarte als auch deren Besitzerin persönlich kennen lernen. Das Misstrauen ließ sich aber mit einer Unbedenklichkeitserklärung meiner Frau, unter Angabe diverser Einzelheiten und Telefonnummern sowie ihrer dokumentensicheren Unterschrift, am Ende doch noch aus der Welt schaffen.

Als dann am Tag des Rückflugs, einem Sonntag um 5 Uhr früh, beim Begleichen der Hotelrechnung meine Kreditkarte blockierte, zuckte ich mit keiner Wimper, sondern plante die Flucht. Wer weiß, ob diese Kolumne erschienen wäre, hätte es beim zweiten Versuch nicht geklappt. Man kann sehr schnell sehr tief sinken.