Eine prekäre Situation

Ob sie in der kommenden Saison wieder zum Angriff auf den Titel blasen kann, ist jedoch höchst ungewiss. Die vielen weiten Sprünge in die Radien der Schanzen haben ihren Tribut gezollt. Iraschko-Stolz plagt seit Jahren ihr rechtes Knie. Anfang November wurde es zum bereits sechsten Mal operiert. An Skispringen kann sie frühestens in Wochen wieder denken. Beim Weltcupauftakt im norwegischen Lillehammer wird sie jedenfalls nicht mit dabei sein.

Bleibt noch Sarah Hendrickson. Die 23-jährige US-Amerikanerin ist die dritte im Bunde der Weltcup-Gesamtsiegerinnen. Ihr gelang der Triumph in der Premieren-Saison 2011/2012 als erste. Seither springt sie an der Weltspitze mit. Allerdings liegt ihr bisher letzter Sieg bereits fünf Jahre zurück. Im Vorjahr wurde sie achte im Weltcup. Zu wenig für den amerikanischen Skiverband, der ihr kurzerhand die Finanzierung strich. Hendrickson will trotzdem alle Springen der Saison bestreiten. Sie finanziert sich Unterkünfte, Anreise und Equipment einfach selbst. Eine prekäre Situation für eine der besten Springerinnen der Welt. Ein trauriges Beispiel für den Stellenwert des Frauen-Skisprungs.

In die Pause des Herren-Springens gepfercht

Den Sommer-Grand-Prix dominierte heuer Takanashi - wer sonst. Damit ist sie auch im Winter haushohe Favoritin. Im deutschen Hinterzarten und japanischen Yamagata warten auf die Springerinnen die ersten Teambewerbe in der Geschichte des Frauen-Skisprungs. Mit dem sogenannten Lillehammer-Triple steht erstmals eine extra dotierte Springer-Tournee auf dem Weltcup-Kalender.

Die Anzahl der Saison-Wettkämpfe liegt mit 17 Stück weit hinter den Männern. Auch medial bekommen sie vergleichsweise kaum Aufmerksamkeit. In den vergangenen Jahren begnügte sich der ORF oft damit, in der Pause des Männer-Springens eine Zusammenfassung der Frauen zu zeigen. Dabei hätte der Sport so einiges gutzumachen. In seiner langen Geschichte wurden Frauen beinhart ignoriert. Die Zukunft soll anders werden.