Vergangene Woche ist Wiens Radmechaniker-Legende Wolfgang Brunner gestorben. Der 76-jährige war der letzte aktive Fahrradmechaniker-Meister in Wien. Im Jahr 1956, also vor 63 Jahren, begann er seine Lehrzeit.
Bis zu seinem Tod am 14. Februar 2019 war Brunner fast täglich in seinem Geschäft in der Degengasse 37 anzutreffen.

Die technische Entwicklung des Fahrrades und die vielen Trends – vom simplen Waffenrad bis hin zum komplexen E-Bike – erlebte und gestaltete er mit. Sein fundiertes technologisches Wissen teilte er als Vortragender in Kursen am Wifi und an Volkshochschulen.

Wiener Original

Die Liebe zum Fahrrad sollte sein Leben bestimmen. Selbst wenn er – wie er in seinem letzten Interview mit dem Fahrrad-Podcast "Reich durch Radeln" im vergangenen Dezember bekannte – eigentlich einen anderen Lehrberuf hatte ergreifen wollen. Es sollte dennoch das Radfahren werden, das er selbst erst als Vierzehnjähriger, wenige Tage bevor er die Lehre begann, erlernte. Am Schluss war er der letzte aktive Fahrradmechaniker-Meister in der Stadt; die Lehrausbildung wurde im Jahr 1970 abgeschafft.

Das Wiener Original, das niemals ohne seinen stilprägenden Hut in die Öffentlichkeit trat, war regelmäßiger Gast bei Veranstaltungen der Wiener Fahrrad-Szene: er fuhr bei Radparaden und Critical Mass mit – einmal sogar auf einem Tall Bike –und besuchte Vorstellungen des Cycle Cinema Club.

Mit Wolfgang Brunner verliert Wiens Fahrrad-Szene nicht nur einen verlässlichen Mechaniker, sondern einen genauen Beobachter, der immer für ein Bonmot gut war und die Autoverliebtheit vieler Zeitgenossen stets belächelte.

Selbst vornehmlich mit dem Fahrrad unterwegs, musste Brunner vor zwei Jahren einen Schicksalsschlag hinnehmen. Nachdem er auf einem Schutzweg von einem Auto angefahren und niedergestoßen wurde, musste ihm ein Bein abgenommen werden. Seither war ihm das Radfahren nicht mehr möglich.

Wolfgang Brunner wird am 5. März 2019 auf dem Friedhof Ottakring (1160 Wien, Gallitzinstraße 5) beigesetzt. Die Trauerfeier ist für 14 Uhr angesetzt. Wir möchten seinen Hinterbliebenen unsere Anteilnahme ausdrücken.