In der nordspanischen Stadt San Sebastian / Donostia setzt die Stadtverwaltung auf den Ausbau des Radverkehrs. Das Radwegenetz ist dicht; sogar ein E-Bike-Verleihsystem gibt es. Und die Fläche eines ehemaligen Busparkplatzes wird als Fahrrad-Spielplatz genutzt.

Vorne der Atlantik, ringsum und mittendrin dicht bewaldete Hügel, die in die Stadt hineinzuwachsen scheinen: San Sebastian – oder in der Sprache der Basken: Donostia – ist eine Stadt, die dem Auge wohltut. "La Concha", "die Muschel", heißt die – wie die Ziffer 3 geformte – Bucht mit der langen Strandpromenade, an der sich die Villen der Reichen und die historischen Verwaltungs-Gebäude befinden. In der Bucht befindet sich die Mündung des Flusses Urumea, der zunächst in nord-südlicher Richtung, bald in einigen großen Schleifen ins Landesinnere schneidet. Entlang des Flusses, der die Altstadt von den jüngeren Vierteln trennt, verläuft auch eine der wichtigsten Straßenverbindung, über die die Bewohner des Umlandes in die Stadt pendeln.

Fahrrad-Parkgarage im Bahnhofsgebäude von Donostia / San Sebastian - © M. Bernold
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Die Überlastung dieser und anderer Einfallsstraße durch zu viel Kfz-Verkehr und die dadurch entstandenen Lärm- und Umweltprobleme, waren auch der Grund dafür, dass die 190.000-Einwohner Stadt bereits früh nach lebensfreundlicheren Verkehrsalternativen umsah. Seit vielen Jahren erweitert die Verwaltung sukzessive die Fahrrad-Infrastruktur und öffnete weite Teile der Altstadt exklusiv für den Fuß- und Radverkehr. Bürgermeister Eneko Goia von der baskischen Nationalpartei  (EAJ-PNV) – die christlich-konservativ ausgerichtete Partei ist die bestimmende politische Kraft in der Autonomen Region Baskenland – sieht das Fahrrad als Vehikel dafür, die Lebensqualität weiter zu verbessern.

Das E-Bike-Verleihsystem in San Sebastian: Leider können die Räder nur bis 23 Uhr ausgeborgt werden - © M. Bernold
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Wer sich von den für die Frühlingszeit typischen heftigen Regenfällen und Windböen nicht abschrecken lässt, kann die Stadt wunderbar vom Fahrrad-Sattel aus erkunden. Das Wegenetz ist engmaschig. In den langen Alleen der Stadt verlaufen – vom Autoverkehr getrennt – die Radwege. Deren Qualität ist allerdings sehr unterschiedlich. Üppig dimensionierte Abschnitte wechseln sich mit schmalen Passagen ab. Kopfsteinpflaster und enge Kurven trüben mitunter das Fahrvergnügen. Wie in Wien ist einige Ortskenntnis erforderlich, um nicht vom Radweg abzukommen.

Blick von oben auf den neuen Fahrrad-Spielplatz in Donostia / San Sebastian: Früher war hier ein Busparkplatz - © M. Bernold
Blick von oben auf den neuen Fahrrad-Spielplatz in Donostia / San Sebastian: Früher war hier ein Busparkplatz - © M. Bernold

Bemerkenswert: Die Fahrrad-Kultur. Im Rahmen des EU-Projektes City Changer Cargo Bike besuchte ich das Unternehmen Txita, eine Art Mischung aus Fahrrad-Kurier, Werkstatt und Radtaxi-Unternehmen. Untergebracht in einer altem Tiefgarage unter dem wahrscheinlich hässlichsten Hochhaus der Stadt dient es auch als Logistik-Zentrum: Große Transport-Unternehmen liefern hier ihre Pakete ab; Txita-Transport-Trikes mit großen Ladeboxen übernehmen die Zustellung auf der "letzten Meile".

Stolz ist die Stadt auf ihr brandneues E-Fahrrad-Verleihsystem. Speziell der hügelige Osten der Stadt macht die Verwendung von Pedelecs empfehlenswert. Bis das System wirklich alltagstauglich ist, bedarf es allerdings noch gewissen Anpassungen. Die Registrierung ist nämlich ziemlich kompliziert. Größter Nachteil: Die Räder können nur bis 23 Uhr ausgeborgt werden.