Mich hat interessiert, wie sich dieser Zuwachs im Verhältnis zum Bevölkerungszuwachs verhält und ob das Mehr an Radfahrern lediglich eine Folge der gewachsenen Gesamtbevölkerung sein könnte. Von 2014 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl in Wien von 1.766.746 auf 1.888.776 Personen, also ein Anstieg von 6,9 Prozent. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die gestiegene Zahl der Radfahrten nicht allein mit Bevölkerungswachstum erklären lässt.

Die Zählstellen decken einige der wichtigsten Radverbindungen ab. Selbst wenn es wünschenswert wäre, die Zahl der Zählstellen weiter zu erhöhen, lassen sich daraus dennoch verlässliche Trends ablesen. Auch wo ein erhöhter Bedarf für den Ausbau der Radinfrastruktur besteht, lässt sich auf diese Weise mit einiger Sicherheit sagen. Jedenfalls geben die automatisierten Zählstellen verlässlicher über die Entwicklungen beim Radverkehr Auskunft als der Modal Split, dessen Aussagekraft laut Verkehrsexperten begrenzt ist.

Mit vierzehn Dauerzählstellen ist Wien übrigens recht gut aufgestellt. Zum Vergleich: In München sind es sechs Dauerzählstellen. In Berlin sind es siebzehn.

Jetzt aber zum Ausbauprogramm:

1. Linke Wienzeile

Die wahrscheinlich wichtigste Baumaßnahme betrifft die Linke Wienzeile zwischen Köstlergasse und Friedrichstraße. Die für Fahrrad-Pendler aus dem Westen Wiens so wesentliche Radverbindung von der Stadtgrenze bis ins Zentrum war in einem 500 Meter langen Abschnitt in Höhe des Naschmarktes unterbrochen. Werden die Planungen wie beabsichtigt umgesetzt, wird diese Lücke im Radwegenetz noch heuer geschlossen. Am vergangenen Wochenende richteten Mobilitätsagentur und Magistrat im Alfred—Grünwald-Park an der linken Wienzeile einen Informationsstand ein, um über die geplanten Neuerungen zu berichten. Der neue Radweg wird – baulich getrennt von der Fahrbahn – in der jetzigen Parkspur verlaufen. Für Geschäftsleute werden Ladezonen eingerichtet. Die Baumaßnahme soll im Juni den Gemeinderat passieren.

2. Margaretenstraße

Zwischen Margaretenplatz und Spengergasse wird das Radfahren gegen die Einbahn ermöglicht. Damit wird diese wichtige Radverbindung in beiden Fahrtrichtungen verwendbar. Die Verbindung ist nicht zuletzt deswegen bedeutsam, weil sie als Ausweichroute zum Wientalradweg dient, der aufgrund der U-Bahn-Baustelle bei der Pilgramgasse gesperrt ist.

3. Gürtelquerung Wallgasse

Die Stadt errichtet auf Höhe der Ulmannstraße im 15. Bezirk eine neue Querung über den Gumpendorfer Gürtel in den 6. Bezirk und führt den Radweg über die Wallgasse weiter in die Mollardgasse. In der Wallgasse wird dazu die Fahrbahn verbreitert, um den Radfahrenden mehr Platz zu bieten. Die Fahrbahn an der Kreuzung Eisvogelgasse/Wallgasse wird angehoben. Der Radverkehr, der von der Mollardgasse aus Richtung Gürtel fährt, wird auf einem kurzen Stück baulich getrennt geführt. Die Stadt errichtet diese Anbindung, da im Zuge des U-Bahn-Baus der Wientalradweg gesperrt ist. Die Verbindung bleibt nach den Bauarbeiten aber bestehen. Die Baumaßnahmen sind für Juni und Juli 2019 geplant.