Dieser Tage läuft der Film "Anderswo – allein in Afrika" in einigen
österreichischen Kinos. Es ist ein Fahrradreise-Film, der vor allem mit
einem Vorurteil aufräumt: Dass es zum Reisen eines Plans bedürfte...

Eigentlich hätte es eine überschaubare Radreise durch Südafrika werden sollen, aber es kam anders: Anselm Pahnke – gerade seinen Bachelor aus Geophysik in der Tasche –  machte sich mit zwei Freunden auf, Südafrika zwei bis drei Wochen lang mit dem Rad zu bereisen. Die Reisezeit verlängert sich jedoch zusehends: Aus drei Wochen wurden drei Jahre. Und Anselm tourte nicht bloß durch Südafrika, sondern querte den ganzen Kontinent bis nach Ägypten und radelte sodann über Asien bis nach Australien weiter.

Die Reise durch Afrika entwickelte sich Stück für Stück. Und weitgehend ohne Plan. Eine Vorgangsweise, die für Anselm zur Grundhaltung wird. "Wenn du einen Plan hast, gehen dir alle Schotten zu - Es gibt nur eine Zielrichtung, da fährt man hin.", erklärt uns Anselm im Interview für den Fahrrad-Podcast "Reich durch Radeln".


Link-Tipps
Der Film "Anderswo. Allein in Afrika" von Anselm Pahnke befindet sich derzeit auf Kinotour und  läuft in den Wiener Kinos Votiv und Filmcasino sowie im Filmhaus Spittelberg. Eine detaillierte Übersicht der Vorstellungen auch in anderen Teilen Österreichs findet sich auf der Webseite zum Film.

Audio-Tipp: Im neuen Fahrrad-Podcast "Reich durch Radeln" gibt es ein langes Interview mit Anselm Pahnke anlässlich des Kinostarts seines Filmes in Österreich.
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Ein weiter Leitsatz in Anselms Reise-Philosophie: Um näher an die Bevölkerung heranzukommen, entschließt er sich, auf der Reise kein Wasser zu kaufen, sondern es an den Brunnen zu holen wie die Einheimischen. Auf diese Weise will er das Leben in den Ländern, die er quert, noch realistischer erfahren.

Auf der Reise erkrankt er an Malaria und Typhus. Übersteht einige Unfälle. Auch Defekte am Rad, darunter ein Rahmenbruch, behebt er selbst, oder unterstützt von Einheimischen. Anselm improvisiert einen Werfer für das Schaltwerk seines Rades und lernt, wie man eine gebrochene Gabel zusammenschweißt. "Wenn mir etwas Unangenehmes widerfährt, ärgere ich mich nicht darüber", erklärt Anselm: "Ich freue mich über die Herausforderung, die mir das Leben bereitet."

Seine Reise dokumentierte er mit einer Kompaktkamera. Aus dem Afrika-Teil seiner Reise hat Anselm mit Hilfe eines Produktionsteams einen Film gemacht. Dass es dazu kam, sei ebenso "einfach passiert" wie die gesamte Reise: Anselm hatte für sich angefangen, seine Eindrücke einzufangen. Eine Freundin warf mehr als zwei Jahre nach der eigentlichen Reise einen Blick auf das Material und überzeugte Anselm schließlich, daraus einen Film zu gestalten.

Entstand ist ein faszinierender, sehr persönlicher Reisefilm der Höhen und Tiefen zeigt. Ein Film, der einmal mehr unterstreicht, dass man – die entsprechende Offenheit vorausgesetzt – während einer Reise nicht nur viel über die bereisten Gebiete lernt, sondern noch viel mehr über sich selbst. Eine besonders wichtige Lektion dabei: Wie es ist, allein zu sein und wie man damit umgehen kann.

Nachdem man den Kinosaal verlassen hat, fragt man sich, ob man sich eine solche Reise selbst (zu)trauen würde.