ARGUS-Pionier Hiess erinnert sich: "Nach der Volksabstimmung haben sich die Zwentendorf-Aktivistinnen und -Aktivisten in Graz getroffen, um zu überlegen wie es weitergehen soll. Unsere Haltung war: man kann nicht immer gegen alles sein; man muss Alternativen aufzeigen. Unter anderem haben wir über umweltfreundliche Mobilität nachgedacht."

Hiess, der damals Stadtplanung studiert, nimmt an einem Arbeitskreis teil, der sich mit dem Thema Mobilität befasst. Dort wird die Idee geboren, Fahrrad-Sternfahrten zu organisieren, um umweltfreundliche Fortbewegung in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Bald nach der Konferenz in Graz werden Flugzettel und Plakate gedruckt und vor den Unis und in Szene-Lokalen verteilt. Die Themen gehen weit über ein Lobbyieren für den Radverkehr hinaus. Auf der Einladung zur ersten Sternfahrt samt Stadtwanderung steht:

"Wir wollen mehr Radwege und ruhige, begrünte Zonen, wir wollen bessere Straßenbahn und Busse und haben was gegen zu viele Autos, die stinken und lärmen und jeden Platz verstellen. Wir wollen wieder in der Stadt 'l e b e n' können."

Am 9. Juni 1979 ist es dann soweit: 2.000 Radfahrende treffen einander zur gemeinsamen Ausfahrt, radeln über die Ringstraße bis zur Schlusskundgebung am Rathausplatz. "Es war ein toller Erfolg", erinnert sich Hiess: "Uns war dann sofort klar. Wir machen weiter."

"In Österreich zählt man wenig, wenn man nicht zumindest als Verein organisiert ist"

Diese erste Sternfahrt zeigt den Organisatoren auch, dass es wichtig sein wird, sich zu institutionalisieren. "Um die Demos anzumelden zum Beispiel, ist es notwendig gewesen, einen Verein zu gründen", erzählt Hiess: "In Österreich zählt man ja wenig, wenn man nicht zumindest als Verein organisiert ist."

Am 12. Juli 1979 ist es dann soweit: Die ARGUS wird ins Vereinsregister eingetragen. Mit Ulla Sieber als erster Obfrau und dem Wirtschaftsstudenten Christian Pekar als Kassier. Mit dabei sind laut ARGUS-Aufzeichnungen auch Walter Urbanek und Helmut Koch (beide damals Raumplanungsstudenten) sowie Helmut Jung, der Biologie studiert. Etwa 10 bis 20 Aktive bildeten den Kern der Gruppe.

Im Lebensmittelgeschäft "Grünladen" kommt man zusammen, um Aktionen zu planen – Guerilla-Radwege zum Beispiel, die die Aktivisten dort aufpinseln, wo ihrer Meinung nach Rad-Infrastruktur gebraucht wird. An manchen Stellen, an denen die ARGUS-Mitglieder der ersten Stunde vorschriftswidrig die Straße markieren, verläuft heute ein offizieller Radweg.

In den 1980er-Jahren wird die Vereinsstruktur dann immer weiter ausgebaut, das Auftreten der ARGUS immer professioneller. Das Ehepaar Hans und Evi Doppel prägt für viele Jahre das Bild der ARGUS in der Öffentlichkeit.