Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung". - © Wiener Zeitung
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Die Diskussion um die beiden Kleinkinder im Fahrrad-Anhänger, die von einem Autofahrer getötet wurden, zeigt die fragwürdige Dynamik so mancher öffentlicher Debatte. Und sie offenbart, wie fest das Automobil in den Köpfen mancher Menschen und vieler Politiker verankert ist.

Immer wieder kann man sich über die Geisteshaltung mancher Menschen nur wundern, die in Online-Medien und sozialen Netzwerken Kommentare verfassen. Wie wenig Empathie Eltern entgegen gebracht wird, deren Kinder in einem Crash getötet wurden, ist unfassbar.

Ebenso unfassbar ist, wie das Thema von manchen Medien aufgearbeitet wird. Ohne genaue Kenntnis des Unfallhergangs, in einem Stadium, in dem Behörden noch ermitteln, haben manche Medien bereits die Schuldigen bestimmt: "Die große Gefahr auf Rädern" titelte etwa die Tageszeitung Kurier und stellte ein Foto eines Kinderanhängers dazu. Das ist nicht nur reißerisch. Es ist auch zynisch und falsch.

Hier wird eine neue Todesgefahr postuliert, die mit Fakten nichts zu tun hat. Auf Twitter hat mich jemand auf eine Metapher hingewiesen, die diese obskure und irreführende Art der Berichterstattung am besten auf den Punkt bringt: "Wir schicken einen Mann mit Kreuzworträtselheft in einen Löwenkäfig, wo er gefressen wird. Danach diskutieren wir die Gefährlichkeit von Kreuzworträtseln."

Dass jetzt – befeuert vom FPÖ-nahen Verkehrsminister – eine Debatte um Kinderanhänger begonnen hat, ist eine verkehrspolitische Blendgranate. Sie soll von den seit Jahrzehnten hinlänglich bekannten Unfallursachen und den Versäumnissen heimischer Verkehrspolitik ablenken.

Aber der Reihe nach. Zunächst die Fakten.

Gefahr: Überlandstraßen

Wie die österreichische Verkehrsunfallstatistik zeigt, haben wir kein Problem mit der Sicherheit von Kinderanhängern. Sondern mit der Sicherheit auf Überlandstraßen: Von den insgesamt 400 im Jahr 2018 im Straßenverkehr getöteten Menschen starben 288 genau dort, also nicht im Ortsgebiet und auch nicht auf Autobahnen oder Schnellstraßen.

Was die Statistik außerdem zeigt: Für knapp die Hälfte der Verkehrstoten im Jahr 2018 starben wegen "nicht angepasster Geschwindigkeit" und Unachtsamkeit. Tempo – das zeigt uns jeder einzelne dieser tragischen Unfälle – tötet.