Es sind Freiflächen mit Holz und vielen Pflanzen. Orte, um sich auszuruhen, kennenzulernen, miteinander zu essen und sich auszutauschen. Wenn man so will: Schani-Gärten ohne kommerzielle Interessen von der und für die Nachbarschaft. Seit mehreren Jahren gibt es die "Grätzloasen" die vom Verein Lokale Agenda 21 zur Förderung von Bürgerbeteiligungsprozessen begleitet und mit bis zu 4.000 Euro pro Aktion gefördert werden. Ziel des Programms: "Das Miteinander im Grätzl fördern und den öffentlichen Raum auf neuartige und kreative Weise beleben."

Dort, wo normalerweise Autos parken und das Stadtbild dominieren, zeigen die Grätzloasen, das Straße auch anders genutzt werden kann und dass dies die Lebensqualität eines Viertels massiv erhöht.


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Idee für Grätzloase können hier eingereicht werden. Die erste
Einreichfrist läuft noch bis 10. November 2019. Weitere Einreichfristen
folgen.
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An dieser Stelle eine Offenlegung: Auch die Hausgemeinschaft in meinem Wohnhaus betreibt bereits seit dem Jahr 2017 eine Grätzloase. Ich bin in das Projekt persönlich involviert und ein großer Fan dieser Idee geworden. Es ist schier unglaublich, wie dieser kleine Freiraum – für den gerade einmal der Raum für zwei Kfz-Parkplätze notwendig ist – die Gasse belebt hat. Menschen jeden Alters kommen hier zusammen: in der Früh bereiten sich Büromenschen bei einem Coffee-to-Go auf ihre Sitzungen vor. Am Vormittag rasten hier Senioren oder treffen sich zum gemeinsamen Gang zum Markt. Am Nachmittag nutzen Eltern und Kinder die Oase, während abends manch einer den Tag bei einem Bier ausklingen lässt.

Viele Menschen sagen zu mir, dass sie erst durch die Oase ihre Nachbarn kennen gelernt haben. Obwohl sie bereit seit Jahren oder Jahrzehnten im Bezirk wohnen. Die freundliche alte Dame von vis-à-vis teilt mit uns ihr Wissen zum Thema Paradeiser-Anbau, und ein Nachbar, der drei Straßen weiter wohnt, radelt extra herbei, um ein Steigerl Kirschen dazuzulassen: "Aus meinem Garten, für die Kinder."

Ist das denn erlaubt?

Gerade in Bezirken, in denen die Hegememonie des Automobobils tief in den Köpfen der Lokalpolitiker verankert ist und viele Bürger sich Straßen ohne Autos, ohne Lärm und Raserei nicht vorstellen können, wirken die kleinen Grünflächen Wunder. "Ist das denn erlaubt?", war die Frage, die wir im ersten Jahr am öftesten zu hören bekamen. Inzwischen kennen die Nachbarn unser Projekt schon recht gut: Schon beim Aufbauen im Frühling werden wir werden mit Blumenspenden und vielen ermunternden Worten bedacht. "Gut, dass ihr das heuer wieder macht."

Die freundliche Stimmung überwiegt und tröstet darüber hinweg, dass sich manche in der Gasse nicht damit abfinden können, dass sie ihr Auto jetzt nicht vor unserem Hauseingang abstellen können. Die meisten lassen sich durch freundliches Grüßen und eine Einladung, Platz zu nehmen, übrigens zumindest ein Lächeln entlocken. Manche werden sogar zu Stammgästen. Und wenn es einigen wenigen partout nicht gefällt: Das ist auch o.k. Die Vielfalt der Meinungen muss eine Großstadt aushalten. Chacun à son goût.