Am Freitag (29. November 2019) habe ich mir den neuen Radweg in der Linken Wienzeile angesehen, der zu diesem Zeitpunkt noch abgesperrt war – die Bodenmarkierungen waren noch nicht fertig. Erster Eindruck: Der neue Zwei-Richtungsradweg ist recht großzügig angelegt und bedeutet eine gewaltige Verbesserung zum bisherigen Status quo.

Es war eine der unangenehmsten Lücken im Wiener Radwegenetz: Das 700 Meter lange Stück der Radstrecke im Wiental auf Höhe des Naschmarkts. Wer sich auf der stark (und schnell) befahrenen Wienzeile nicht ins Gewühl mit Lkw und sonstigen Kraftfahrzeugen stürzen wollte, war gezwungen, über die Gumpendorfer- oder Margaretenstraße großräumig auszuweichen. Ein Umweg, der mit Steigungen und erheblichem Zeit- und Komfortverlust verbunden war. Zudem sind diese Parallelrouten für ungeübte Radfahrende oder Eltern mit Kinder-Anhänger nicht wirklich akzeptabel.

- © Matthias Bernold
© Matthias Bernold

In den vergangenen Monaten wurde an der Weiterführung des Naschmarktradweges intensiv gebaut. Das Teilstück zwischen Nibelungengasse und Getreidemarkt ist bereits befahrbar, die gesamte neu geschaffene Strecke wird demnächst freigegeben werden.

Wiental-Radweg zwischen Fabriksbrücke und Schönbrunner Brücke


Der Wiental-Radweg ist eine der wichtigsten Strecken für Fahrrad-Pendler aus dem Westen der Stadt. Die Qualität der Routenführung ist dabei sehr unterschiedlich. In den vergangenen Jahren hat die Stadt immer wieder punktuelle Verbesserungen durchgeführt. Heuer betrafen Umbauten den Abschnitt zwischen Fabriksbrücke und Schönbrunner Brücke. Hier verlief der Radweg auf der Südseite des Wienflusses – war jedoch aufgrund seiner geringen Breite dem Radfahrer-Aufkommen nicht mehr gewachsen.

Im Zuge der Bautätigkeiten auf den Komet-Gründen wurde auf der Nordseite eine Überbrückung errichtet, um Rad- und Gehwege über eine Länge von hundert Metern zu verbreitern. Wermutstropfen: Richtung stadtauswärts bis zur Schönbrunner Brücke dient der alte Gehweg jetzt als Geh- und Radweg mit einer Breite, die nicht mal die Mindestqualitätskriterien einer Langstrecke erfüllt.

Radinfrastruktur-Bilanz 2019

- © Matthias Bernold
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Insgesamt fallen die Maßnahmen zur Verbesserung der Wiener Radinfrastruktur-Bilanz 2019 heuer besser aus als angekündigt. "Langjährige Lücken im Radverkehrsnetz wurden geschlossen oder die Qualität verbessert", heißt in einem Bericht in der aktuellen Nummer des österreichischen Fahrradmagazins Drahtesel. Verbesserungen betreffen unter anderem: die Margaretenstraße, wo die Einbahn zwischen Margaretenplatz und Spengergasse für Radfahrende auf einer Länge von 500 Metern geöffnet wurde; die Gersthofer Straße, wo die Radverbindung dort neuerlich verlängert wurde sowie Oberlaa, wo gleich fünf neue Fahrradstraßen eingerichtet wurden. Ebenfalls erwähnenswert: die Verkehrsberuhigung in der Rotenturmstraße in der Wiener Innenstadt, wo in der Begegnungszone Radfahren gegen die Einbahn möglich werden soll, und die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht in der Argentinierstraße.

Große Vision fehlt


Insgesamt also wieder einige gute gelungene Maßnahmen. Auch wenn – meiner Meinung nach – die große Vision für Wien als Fahrrad-Stadt nicht in Sicht ist. Von einem durchgängigen Radwegenetz auf vernünftig dimensionierten, baulich getrennten Radwegen, die es auch unsicheren Radfahrern oder Eltern mit Kindern ermöglichen, sicher und komfortabel unterwegs zu sein, ist die Stadt weit entfernt. Von einigen innerstädtischen Bezirken abgesehen, dominiert nach wie vor eine Verkehrsorganisation im Sinne des Automobils mit Straßen voll Blech, zu hohem Tempo des Kfz-Verkehrs und Gefahren für Fußgänger und Radfahrer.