Unter den vielen Faktoren, die darüber entscheiden, ob Menschen in Momenten wie diesen die Hoffnung fahren lassen oder nicht – Fachleute fassen diese Umstände unter dem Stichwort Resilienz zusammen – sei sein Wunsch gewesen, wieder in die Natur zu gelangen. "Es ist meine Triebkraft gewesen, endlich wieder raus zu kommen. Einfach nur den Donaukanal oder die Prater Hauptallee entlang fahren. Zwischen Bäumen. Das war meine Vision. Da wollte ich wieder hin."

Selbst als Manfred langsam wieder zu Kräften kommt, seine Hustenanfälle seltener werden, sein Herz und seine Lungen wieder kräftiger arbeiten, sind Ausflüge zunächst kein Thema. Aufgrund mehrerer Knieoperationen kann er selbst kurze Strecken nur mit Krücken gehen. "Nach hundert Meter geht mir die Luft aus und ich bin völlig fertig", sagt er: "Die Beine schwellen an und ich kann nicht mehr weiter. Damals war es noch viel schlimmer."

Als er einmal mit ein paar Freunden zusammensitzt sagt er im Scherz: "Eigentlich täte mir Radlfahren gut, aber ich müsste dabei die Beine dabei hochlagern können. Leider gibt es so etwas nicht." Sein eigener Kommentar lässt ihn nachdenken: Halt, habe er sich gesagt, vielleicht gibt es so etwas ja doch...

Manfred, früher schon ein passionierter Alltagsradler, beginnt zu recherchieren, sieht sich Foren und Webseiten zu Liegefahrrädern an. Er beginnt Hersteller und Händler mit Fragen zu bombardieren: "Ich bin dann draufgekommen, dass die Hersteller von Liege-Trikes als Zielgruppe zwar sehr sportliche Menschen haben. Da gibt es sogar Videos, wo Leute eine Sommerrodelbahn hinunter fahren. Aber rund ein Drittel der Leute im Forum hat ein Handicap. Manchen tut nur der Rücken weh, oder sie können die Arme nicht belasten, andere haben Probleme mit dem Gleichgewicht oder – so wie ich - Bewegungseinschränkungen."

Nach viel Tüfteln und einigen Probefahrten entscheidet sich Manfred für ein in Serbien produziertes Stein-Trike vom Typ Mad Max. Der Alltagsradfan und Bastler Martin Köck  findet für ihn eine kreative Lösung zur Unterstützung mittels Elektromotor und baut sie ein: Jetzt arbeitet ein 500 Watt Elektro-Motor im Liegerad, mit dem Manfred jeden Anstieg schafft. Ein sogenanntes Pedalpendel ermöglicht es Manfred, der sein linkes Knie nur eingeschränkt  beugen und strecken kann, zu treten. Magnetpedale hindern seine Füße am Abrutschen. Krücken-Halterungen, große Ortlieb-Taschen für Akku, Reservekleidung und Werkzeug und eine EU-Fahne zwecks besserer Sichtbarkeit im Straßenverkehr runden das ganze ab.

Angst im Straßenverkehr?
Während das Liege-Dreirad gegenüber einem einspurigen Rad den Vorteil hat, dass es nicht so leicht kippt, besteht die Gefahr, dass Autofahrer das niedrige Gefährt übersehen. "Ich bin noch mehr im toten Winkel von SUVs oder Lieferwagen", sagt Manfred: "Beim Vorbeifahren muss ich extrem aufpassen. Detto bei Fahrradwegen am Ring. Der Vorteil ist allerdings: Das ganz knappe Überholt-werden gibt es seltener. Vielleicht liegt es daran, dass das Fahrzeug als ungewohnt oder breiter wahrgenommen wird."