Mit dem Fahrrad erledigt Manfred heute alle seine Wege. Fährt zu Veranstaltungen oder ins Schwimmbad in den 14. Bezirk oder – über den Donaukanal – nach Kaiserebersdorf. Dass es überhaupt möglich wurde, das Fahrrad im Alltag zu nutzen, liegt auch daran, dass Manfred einen Stellplatz gefunden hat. Denn das 30-Kilo schwere Gefährt, das mit all den Umbauten mehr als 5.000 € kostet, kann Manfred weder über die Stiegen hinauf in seine Wohnung schleppen, noch über Nacht draußen stehen lassen. Es erwies sich als Glücksfall, dass nicht nur gleich neben Manfreds Wohnhaus ein Fahrradgeschäft mit einem hilfsbereiten Eigentümer untergebracht ist, sondern auch die Gemeinde Wien einen kleinen, ungenutzen Lagerraum besitzt.

Bereits vor eineinhalb Jahren überließ die Bezirksvorstehung Manfred und einem zweiten gehbehinderten Radfahrer den Raum zur provisorischen Nutzung auf Basis einer jederzeit widerrufbaren Bittleihe. Vergangenen Donnerstag wurde dann der behindertengerechte Umbau samt automatischer Garagentür abgeschlossen, den die Beratungsstelle für behindertengerechtes Bauen und der Wiener Magistrat in Auftrag gaben und Jugend am Werk durchführte.

"Wenn ich mit meinem körperlichen Zustand zur Behörde gehe und sag: ich brauch ein Auto und eine Sondergenehmigung für einen Parkplatz vor der Tür – dann bekomme ich das. Ohne Probleme" sagt Schindler: "Wenn ich aber sage: will ich aber gar nicht. Ich brauch kein Auto, weil mit dem Fahrrad bin ich billiger und gesünder unterwegs, dann verwundert das die Leute. Das ist im Gesetz nicht vorgesehen." Die Wiener Behörden hätten sich gegenüber seinen Argumenten allerdings aufgeschlossen und sehr entgegen kommend gezeigt, lobt er, "vor allem die Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann und Senatsrat Erich Hermann beim Magistrat haben mir sehr geholfen".

"Natürlich sehen sie mich als Exoten. Hätte ich nicht meine Geschichte, täten sie wahrscheinlich sagen: der spinnt, mit seinem Radl. Dadurch, dass die Leute sehen, dass es mir körperlich besser geht, kommt die Akzeptanz. Und durch die Krankheit und das, was ich alles erlebt hab, gesteht man mir ein bisschen Narrenfreiheit zu."