Angst vor den Autos

Ein Grund, warum wir das Sicherheitsmanifest gestartet haben, ist, dass viele Leuten sagen, sie würden gerne Rad fahren oder ihre Kinder fahren lassen, aber sie trauten sich nicht so recht. Wie kann man diesen Leuten mehr Zuversicht geben?

Wir müssen das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen erhöhen. Wenn wir nachfragen, wovor die Leute Angst haben, dann kommt immer dieselbe Antwort: Vor dem Autoverkehr. Die Angst, dass einen ein Fahrzeuglenker übersieht oder vor einem die Türe aufreißt. Der motorisierte Verkehr wird ganz klar als Hindernis gesehen. Deswegen erheben auch wir seit Jahren die Forderung, den motorisierten Verkehr einzuschränken.

Vor kurzem ist der VCÖ in der Sonntagsausgabe der Tagszeitung "Die Presse" dafür kritisiert worden, dass er den Trend zum Rad an die Wand malt, wo doch der Autoverkehr in den meisten Teilen Österreich zunähme. Dein Kommentar dazu?

Was wir sagen, basiert auf Daten und Fakten. Wenn wir auf Wien schauen, sehen wir - und das wird jeder bestätigen, der schon länger mit dem Fahrrad unterwegs ist - dass heute um ein Vielfaches mehr Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs sind als vor fünfzehn Jahren. Gerade im städtischen Bereich ändert sich sehr viel. In Wien hatten wir 2002 einen Modalsplit von 2 Prozent, im Vorjahr 6 Prozent. Das ist immer noch wenig. Aber es ist ein deutlicher Zuwachs.

In Wien stimmt das wohl. Obwohl ich mich immer nur wundern kann, warum jeden Samstag so viele Autofahrer die Mariahilferstraße verstopfen. Warum tun die sich das an?

Es gibt Personen, die sind so begeistert von ihrem Kraftfahrzeug, dass sie einfach jede Strecke mit dem Auto zurücklegen. Ob sie dabei im Stau stehen oder nicht, ist ihnen egal. Ob sie Strafzettel kriegen, ist ihnen egal, auch wenn sie eine Viertelstunde lang Parkplatz suchen, kümmert sie das nicht. Aber diese Gruppe wird von Jahr zu Jahr kleiner. Die Mehrheit der Bevölkerung - jetzt rede ich nicht nur von Wien, sondern auch von Graz oder vom Bundesland Vorarlberg - entscheidet sich für das Verkehrsmittel, das für den jeweiligen Zweck am besten passt. Ich zum Beispiel fahre täglich 25 Minuten mit dem Rad in die Arbeit. Das macht Spaß, ich bin fit und frei. Genau dieses positive Feeling erleben immer mehr Leute, die das Radfahren ausprobieren. Darum sind Kampagnen wie eure oder jene der IG Fahrrad "Mit dem Rad zur Arbeit" auch ganz wichtige Maßnahmen, um mehr Menschen zum Radfahren zu motivieren.