Roms Bürgermeister Ignazio Marino (in der Regenjacke) bei einer Wahlkampfveranstaltung


 - © http://www.ignaziomarino.it/
Roms Bürgermeister Ignazio Marino (in der Regenjacke) bei einer Wahlkampfveranstaltung


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Ab kommendem Wochenende wird das Gelände um das Kolosseum  vom Autoverkehr befreit. Die Stadtverwaltung sperrt ab Samstag (3. August 2013) rund die halbe Strecke der Straße der Kaiserforen vom Kolosseum zur Piazza Venezia  für den motorisierten Privatverkehr. Nur mehr städtische Busse und Taxis dürfen dort unterwegs sein.

Wie die Austria Presse Agentur (APA) weiter berichtet, sei diese Maßnahme nur ein erster Schritt in Richtung Verkehrsberuhigung in Rom. Der neu gewählte römische Bürgermeister, Ignazio Marino wolle zudem den Traum eines großen archäologischen Parks rund um die Kaiserforen verwirklichen. Dieser würde mit seinen insgesamt 2.500 Hektar zur größten umfassenden archäologischen Parklandschaft der Welt aufrücken, so die Nachrichtenagentur.

Roms Stadtplaner träumen davon, dass sich ein riesengroßer Grünstreifen quer durch die Stadt zieht. Vom Kapitol und dem Forum Romanum vorbei am Circus Maximus könnten Spaziergänger so bis vor die Stadtmauern zur Via Appia Antica und den Castelli Romani im Umland promenieren. Die Kaiserforen, jetzt durch die Via dei Fori Imperiali zerschnitten, sollen laut Marino in einen Park der Antike verwandelt werden. Die breite Straße sollte schmäler werden oder ganz verschwinden - zur Freude der Archäologen, die endlich mehr von den 2.000-jährigen Tempelresten bergen wollen.

Niederlage für die Autofahrer

"Wir sind dabei, einen seit Jahrzehnten gehegten Traum zu verwirklichen, wir bringen ein Vorhaben von enormem kulturellem Wert auf den Weg", wurde Bürgermeister Marino in der APA zitiert. Er kann mit der Unterstützung des Umweltschutzverbands Legambiente rechnen, der tausende Unterschriften für eine Fußgängerzone rund um das Kolosseum gesammelt hatte.

Für die römischen Autofahrer ist die Schließung der Kaiserforen eine Niederlage. Ihnen wird der Weg über die großen südlichen Einfallstraßen ins Zentrum versperrt, sie werden nicht mehr am Kolosseum in die Kurve gehen und schließlich auf der Via dei Fori Imperiali in den historischen Stadtkern brausen können. Autofahrer klagen, dass die Schließung der Kaiserforen verheerende Folgen auf den ohnehin schon chaotischen städtischen Verkehr haben werde.

Kaiserforen werden von Verkehrsachse zum Spazierweg der Römer

Die Revolution rund um das Kolosseum wird in Rom mit einer "langen Nacht" mit Konzerten, Aufführungen von Straßenkünstlern und kulturellen Veranstaltungen gefeiert. Auch Konzerte des römischen Orchesters der Accademia Santa Cecilia und des Chors des römischen Teatro dell ́Opera sind geplant. "Die Kaiserforen waren eine Verkehrsachse, jetzt werden sie zum Spazierweg der Römer", lautet der Slogan des Bürgermeisters, der am Samstag seine "Revolution" mit einer nächtlichen Radtour durch die Innenstadt feiern will.

Ein Fahrrad-Revoluzzer im Bürgermeisteramt

Dass mit der Amtseinführung von Ignazio Marino neue Zeiten für die Ewige Stadt anbrechen würden, prognostizierte die britische Tageszeitung Guardian bereits im Juli dieses Jahres. Der  58-jährige Fahrrad-Enthusiast, der auch zu offiziellen Empfängen gerne mit dem Rad anreist,  der Arnold Schwarzeneggers Filme liebt und vor seiner politischen Karriere Chirurg war, will Rom in eine Fahrrad-Metropole umbauen.

Die Fußgängerzone in den Kaiserforen ist nur ein Element im Kampf gegen Verkehrslärm, schädliche Abgase und den täglichen Verkehrskollaps. Marino selbst hat, so berichtet die Welt, seinen Autoschlüssel bereits vor elf Jahren an den Nagel gehängt. "Man muss mit gutem Beispiel vorangehen, wenn man die Probleme einer Stadt wie Rom lösen will", wird er in der deutschen Wochenzeitung zitiert: "Ich bin Optimist und überzeugt, dass ich selbst den Römern ein Vorbild sein kann."