Im Jahr 2030 wird es genau so absurd sein, ein eigenes Auto zu besitzen, wie heute über ein privates Flugzeug zu verfügen. Diese Meinung vertritt der deutsche Innovationsforscher Andreas Knie im ORF-Interview.

Anlässlich seines bevorstehenden Auftritts bei den Alpbacher Technologiegesprächen (22. bis 24. August) sprach Knie mit Theresa Aigner von science.ORF.at.  Der Soziologe wird am Arbeitskreis "Smart City - Wege zur urbanen Mobilität von morgen" als Experte teilnehmen.

Hier das Gespräch in Auszügen:

Wie soll in diesen Städten der Zukunft das Zusammenspiel von öffentlichem und privatem Verkehr aussehen?

Es wird keinen öffentlichen und keinen privaten Verkehr mehr geben. Nur mehr den Verkehr, in den ich mich morgens einchecke und am Abend wieder auschecke. Der Besitz eines privaten Verkehrsmittels wird dann genauso absurd sein, wie heute der Umstand, dass man auf einem Flughafen mit einem privaten Jet landen kann oder einen Helikopter zu besitzen.

Wie sehr sind die Menschen heutzutage schon vom Konzept des Privatautos abgekommen?

Es hat noch immer einen großen Stellenwert. Die Menschen haben insbesondere deshalb ein privates Auto, weil sie uneingeschränkte Verfügungsrechte haben wollen. Man will nicht nachdenken, man will aus dem Haus gehen und ein Auto vor der Tür haben und nicht erst bestellen oder organisieren müssen. Wenn aber die kollektive Nutzung anders organisiert wird, müssen die Leute kein Auto mehr besitzen. Es gibt Tendenzen, die sich schon jetzt in Nordamerika und Mitteleuropa abzeichnen: Man braucht das Auto heutzutage nicht mehr als Statussymbol. Damit kann man jetzt schon nicht mehr angeben und in Zukunft noch viel weniger.

Wenn das Ziel kein Privatbesitz im Bereich Verkehr ist, dann muss sich der Gedanke von "nutzen statt besitzen" noch stärker fortpflanzen. Sind die Menschen dafür bereit? Eigentum wird von vielen als zentrale Säule der Gesellschaft begriffen.

Sie kaufen ja auch kein Hotel, keinen Flieger und auch keine Eisenbahn. Es gibt natürlich Dinge, die privat sind, wir wollen ja keinen kollektivistischen Generalzwang haben. Aber wir wollen stärker zur Geltung bringen, dass es in vielen Fällen schlauer ist, etwas zu nutzen anstatt es zu besitzen. Auch ein Leasing- oder Leihauto ist kein Eigentum. Wir sehen im Themenbereich Verkehr, in dem öffentlichen Raum, in dem wir uns bewegen, eine unglaublich hohe Affinität der Menschen, diese Angebote anzunehmen. Weil es unterm Strich ökologischer, ökonomischer und praktischer ist. Und das überzeugt die Menschen am Ende immer.