Schön, wenn man auch nach vielen Jahren im Journalismus noch einmal überrascht wird. Zuletzt passierte mir das nach Durchsicht dieses ausgezeichneten Berichts in der österreichischen Autorevue, einem Heft, das nicht unbedingt zu meiner Standard-Lektüre zählt. Schonungslos und ehrlich zeigt darin der Autor zehn Irrtümer des Autoverkehrs auf und entlarvt unter anderem die Absurdität des Autobahnbaus in Österreich mit all seinen kontraproduktiven Folgen.

Nüchtern und gestützt durch Daten und Fakten zeigt der Bericht, dass die ASFINAG trotz gegenteiliger Beteuerungen und trotz des am besten ausgebauten Autobahnnetzes in Europa weiterhin Milliarden in den Neu- und Ausbau heimischer Schnellstraßen und Autobahnen steckt:

"Bis 2016 warten Projekte im Wert von 6,5 Milliarden Euro auf Realisierung – obwohl Österreichs Autobahnnetz längst eines der dichtesten in Europa ist. Der Schuldenberg der Asfinag liegt bei zwölf Milliarden Euro, bald werden 14 Milliarden erreicht sein. In Zeiten der ausufernden Staatsschulden werden zwar viele Infrastrukturprojekte für den Schienenverkehr infrage gestellt. Über den Straßenbau diskutiert die Regierung kaum. Und die Landeshauptleute sowieso nicht. Möglichst luxuriöse Autowege sind offenbar immer noch Prestigesache."

Autobahntunnel Lobau wäre "grob fahrlässig"

Diese üppigen Ausgaben erfolgen, erinnert die Autorevue, obwohl alle Prognosen auf einen Rückgang des Autoverkehrs hindeuten. "Unter den heute gültigen Voraussetzungen, so sagt der Verkehrsplaner Harald Frey, sind die geplanten 1,8 Milliarden Euro für den heft ig umstrittenen Autobahntunnel unter der Lobau "grob fahrlässig".

Gerne werden bei großen Straßenbau-Investitionen deren Bedeutung für Wirtschaft und Wirtschaftsstandort ins Treffen geführt. Zu Unrecht, wie die Autorevue zeigt: "Lange Zeit galt es als unumstößlicher Lehrsatz: Ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sei nur mit dem raschen Ausbau des Straßennetzes zu erzielen. Dieses Dogma hatte in den Wirtschaftsswunderjahren seine Berechtigung, doch längst haben sich BIP- und Autobahnwachstum entkoppelt. Neue Straßen sind kein zusätzlicher Standortvorteil mehr für die Wirtschaft Österreichs. Um ein Beispiel zu nennen: Das prosperierende Vorarlberg will seinen beachtlichen Radverkehrsanteil bis 2015 von 14 Prozent auf 17 Prozent steigern – und zwar auf Kosten des Autoverkehrs."

Straßen würden auf Pump errichtet und verschärften so die Staatsschuldenkrise, heißt es in dem Bericht: "Die öffentliche Hand finanziert mit dem Autobahnbau unter anderem die Lager der Autoindustrie. Durch das Just-in-time-System sind die Lager leer und die Autobahnen voll", wird in der Autorevue der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Sparkasse zitiert.

Mutiger Journalismus

So geht es im Bericht weiter. Eine gute Zusammenfassung der Mythen um den Straßenverkehr und insgesamt ein schönes Beispiel für mutigen Journalismus.

Link zum Bericht in der Autorevue

Dank an Walter Albrecht für den Tipp!!