Dass die Stadt Wien den Kauf von Lastenrädern bzw. E-Lastenrädern am März dieses Jahres mit 800 Euro bzw. 1.000 Euro fördern will, ist für den Wiener FP-Landtagsabgeordneten und Wirtschaftssprecher Karl Baron – wie er in einer Presseaussendung verkündet – ein "Schaden für die Wirtschaft" und eine "grüne Schnapsidee".

Dabei könnte Baron – wäre er ein hellerer Kopf – von Lastenfahrrädern sogar noch profitieren.

Baron, der im Privatberuf Transportunternehmer ist und Wirtschaftspolitik gerne mit Lobbying für das Transportgewerbe verwechselt, ist immerhin soweit mit der Materie vertraut, dass er um die Probleme seiner Zunft Bescheid weiß: Verstopfte Straßen, fehlende Haltemöglichkeiten, Kosten für Falschparken und sonstiges StVO-widriges Verhalten sowie die Erhaltung einer Flotte von Lkw und Klein-Lkw.

Wissensmäßige Lücken klaffen dann allerdings bei den Maßnahmen, die die Transport-Branche angesichts dieser Schwierigkeiten ergreift. Würde sich der Mann informieren, hätte er mitbekommen, dass sich das Lastenrad, insbesondere mit E-Antrieb ausgestattet, Transportunternehmen als kostengünstige Alternative zum Lkw anbietet. Speziell für den urbanen Raum, und da gerade für den ersten und letzten Kilometer eines Gütertransports. Mit gutem Grund nehmen viele Logistik-Unternehmen Lastenräder in ihre Fuhrparks auf.

Studien wie die "Untersuchung des Einsatzes von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr" im Auftrag des deutschen Verkehrsministeriums (veröffentlicht im Mai 2016) beziffern das Potenzial für eine gewerbliche Fahrradnutzung mit bis zu 22 Prozent. Laut EU-Projekt Cyclelogistics könnten ein Viertel aller Gütertransporte und sogar rund die Hälfte aller leichten Gütertransporte mit Lastenrädern durchgeführt werden. Die Nebeneffekte einer solchen Verlagerung vom Lkw zum Lastenrad liegen auf der Hand: Weniger gesundheitsschädliche Abgase, weniger Lärm und weniger Verkehrsbehinderungen durch Lkw, die in zweiter Spur, oder auf Rad- oder Gehwegen halten.

Dass eine derartige Umstellung nicht bloß aus ökologischen Erwägungen Sinn ergibt und die Lebensqualität in der Stadt erhöht, sondern auch für die Transportwirtschaft handfeste ökonomische Vorteile bringt, haben Logistik-Unternehmer (mit Ausnahme von Karl Baron) inzwischen überknusert: So ergänzen weltweit tätige Firmen wie TNT, UPS, DHL und FedEx ihre Fuhrparks um Transporträder für die Zustellung im urbanen Bereich. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Online-Handel rapide wächst und immer mehr Zustellungen auch von kleinen Paketen notwendig werden.

Wie die oben zitierte deutsche Studie im Detail ausführt, ergeben sich – abgesehen vom Paket- und Kurierdienst – weitreichende Möglichkeiten beim Werkverkehr und beim Personendienstverkehr: Etwa Handwerker, die auf dem Lastenrad samt Werkzeug zum Kunden radeln.

Warum Baron das nicht mitbekommt, ist nur ein weiteres Mysterium unseres postfaktischen Zeitalters. Kann natürlich sein, dass er zu viel Zeit mit seinem Parteifreund Toni Mahdalik verbringt. (Dem Wiener FPÖ-Verkehrssprecher muss in seiner Kindheit einmal ein Stützrad abgegangen sein, anders lässt sich dessen Velophobie nur schwerlich erklären.) Zeitung lesen beide Politiker anscheinend keine. Sonst hätten sie sie auch bemerkt, dass Maßnahmen, den Kfz-Verkehr zu reduzieren, keine Erfindung der rot-grünen Wiener Stadtregierung sind, sondern in allen großen Städten Europas praktiziert werden...