Heinrich Strössenreuther, Volksentscheid Fahrrad - © Volksentscheid Fahrrad
Heinrich Strössenreuther, Volksentscheid Fahrrad - © Volksentscheid Fahrrad

Heinrich Strößenreuther, der Initiator des Volksentscheid Fahrrad in Berlin, nimmt den Hut. Warum eigentlich?

"Nach vier Jahren und viel ehrenamtlicher Arbeit als Fahrrad-Aktivist meiner Initiative clevere Städte und 24 Monaten Campaigning für ein Radgesetz in Berlin beende ich heute aus beruflichen Gründen meine Arbeit im Volksentscheid Fahrrad und als Vorstand von Changing Cities e.V., dem gemeinnützig Trägerverein des Volksentscheids", informierte Strößenreuther vergangene Woche via Aussendung die Öffentlichkeit.

Ich wollte genauer wissen, warum er seine Tätigkeit beendet und habe ihn deshalb angerufen.

Aber zunächst ein kleiner Rückblick:

Voriges Jahr hatte ich am Rande der Berliner Fahrradschau erstmals Gelegenheit, Heinrich Strößenreuther zu interviewen. Wir hatten damals das TV-Radl in die deutsche Hauptstadt verfrachtet und befassten uns in der Sendung mit Berlins Rad-Infrastruktur. Strößenreuther stand damals gerade in Begriff, Unterschriften für den "Volksentscheid Fahrrad" zu sammeln – ein Volksbegehren für bessere Radinfrastruktur und eine radfreundlichere Straßenverkehrsordnung. Insgesamt zehn Punkte formulierten eine stetig wachsende Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten.

Im Interview erwies sich Strößenreuther, der seit vielen Jahren als Berater im Verkehrsbereich fungiert, als überaus eloquenter Gesprächspartner. Überraschend seine für einen Aktivisten recht ungewöhnliche Erscheinung: Statt mit Rad-Käppi und anderen Radboten-Devotionalien bewehrt, sah Strößenreuther mit Anzug und Aktentasche mehr nach Buchhalter als nach Revolutionär aus. Mit dem Fahrrad war er natürlich trotzdem da. Er kam zum Interview direkt aus dem Büro.

Die bürgerliche Erscheinung war offenbar kein Hindernis für die politische Arbeit. Innerhalb von zwei Jahren gelang es Strößenreuther und einer stetig wachsenden Gruppe von Aktivisten, mehr für den Radverkehr zu erreichen als den etablierten Rad-Interessensvertretungen in zwei Jahrzehnten davor. Mehr als 100.000 Berliner unterzeichneten schließlich das Volksbegehren für umweltfreundliche Mobilität. Nach den Wahlen in Berlin 2016 und der Bildung einer Regierung aus SPD, Linken und Grünen flossen die zehn Forderungen aus dem Volksentscheid Fahrrad in die Verhandlungen über einen Gesetzesentwurf ein.