Was wünschen sich Eltern, die mit ihren Kindern im Straßenverkehr unterwegs sind? Soziologin Virginia Connolly hat für ihre Bachelor-Arbeit die Routen-Vorlieben radfahrender Familien untersucht.

"Wiener Zeitung": Du hast für deine Bachelorarbeit das Radfahrverhalten von Eltern untersucht. Was hast du dabei herausgefunden?


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Welche Erfahrungen haben Sie beim Radfahren mit Kindern in der Stadt gemacht? Als wie rücksichtsvoll erleben Sie die anderen Verkehrsteilnehmer? Unternimmt die Stadt genug für radfahrende Familien?

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Virginia Connolly: In aller Kürze zusammengefasst kann man sagen, dass die Gruppe von radfahrenden Familien, so wie Radfahrende allgemein, sehr heterogen ist. Was es schwer macht, für alle Menschen mit Kindern, Routenempfehlungen abzugeben.

Man würde annehmen, die Sorge um die Sicherheit der Kinder führt zu ähnlichen Bedürfnissen. Oder?

Alle wissen um die Fragilität des Rades und klarerweise sorgen sie sich gleichermaßen um die Sicherheit ihrer Kinder. Wie sie damit umgehen, ist aber sehr unterschiedlich. Die eine Gruppe sagt: wir blockieren den Verkehr nicht, wir sind der Verkehr. Dementsprechend selbstbewusst treten sie auf und haben zum Beispiel auch keine Scheu, in der Mitte des Fahrstreifens unterwegs zu sein und genügend Abstand zu parkenden Autos zu halten.

Die andere Gruppe ist deutlich zurückhaltender: Sie fahren nicht immer auf der Fahrbahn und weichen gelegentlich auf den Gehsteig aus. Auf-dem-Gehsteig-Fahren ist für diese Gruppe eine normale Option. Sie sagen dann Dinge wie: "Immer fahre ich nicht auf der Straße, wozu habe ich ein Rad?" Abhängig von dieser Kategorisierung und diesem  Fahrverhalten werden  unterschiedliche Situationen als stressig empfunden und unterschiedliche Wege gewählt.

Wovon hängt es ab, zu welcher dieser Gruppen man zählt?

Das kann ich nicht sagen. Was ich sagen kann ist: Oftmals ziehen sich diese unterschiedlichen Auffassungen quer durch eine Kernfamilie. Auch dort sind sich mitunter nicht alle einig, was sicheres Fahren bedeutet. Ein Vater erzählte mir, dass er bei einem Familienausflug hinter dem Kind sehr mittig auf der Fahrbahn gefahren ist, um enges Überholen zu verhindern. Die Mutter ist vor dem Kind gefahren. Irgendwann ist ein Autofahrer von hinten gekommen und hat – weil er überholen wollte, aber nicht konnte – alle drei angehupt. Für den Vater war sein Verhalten die sicherste Fahrweise, um das Kind zu schützen. Die Mutter hingegen hat gesagt: Wenn wir angehupt werden, sollten wir auf den Gehsteig ausweichen. Es ist ein Konflikt, der natürlich nicht entstehen würde, wenn der Autofahrer in dieser Situation rücksichtsvoller gewesen wäre. Oder wenn es an dieser Stelle einen Radweg gäbe.