Es soll aber auch jede Menge Kulturprogramm geben – Platz ist in dem Shop für etwa 100 Personen. Einen Vorgeschmack bot bereits das Programm am Sonntag Abend: Die Schauspielerin Tania Golden las anlässlich des letzten Chanukka-Abends neun kurze Texte von vertriebenen und verfolgten Schriftstellern und Autorinnen von Jura Soyfer und Theodor Kramer bis Mascha Kaléko und Ilse Aichinger. Und die Geigerin Orsolya Korcsolán trug neben Stücken von Erich Wolfgang Korngold, Carlos Gardel-John Williams, Ernest Bloch und Jerry Bock-John Williams auch ein besonderes Stück von Sándor Kuti vor. Der Komponist wurde in der NS-Zeit auf dem Weg nach Mauthausen ermordet, als letzten Gruß sandte er seiner Frau und kleinen Tochter eine Komposition, eine Solosonate für Violine. Es war Korcsolán gewesen, die sich auf die Suche nach Werken des vergessenen Musikschaffenden gemacht hatte, dieses Stück erhielt sie von dessen Tochter. Die CD, welche die Geigerin mit Werken Kutis aufnahm, ist ebenso im Book Shop erhältlich wie Kantorengesänge oder Aufnahmen von Kompositionen anderer jüdischer Künstler.

Korcsolán trug schließlich auch mit Klavierbegleitung ihres Sohnes Natan ein jüdisches Volkslied vor – und Natan war es auch, der zuvor gemeinsam mit Rabbiner Joseph Pardes das letzte Licht am Chanukka-Leuchter entzündete. Um sowohl observant als auch nicht so religiös Lebenden ein offenes Haus zu ermöglichen, wird das Café übrigens koscher – dabei milchig – geführt. Die Koscheraufsicht hat Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister über. Gebäck und Mehlspeisen werden vom koscheren Patissier Schneor Zivion produziert.

Gemütliche Sitzarrangements mit kleinen Tischen laden hier ab dem morgigen Montag nicht nur zum Kaffeetrinken und Plaudern, sondern auch zum Schmökern ein. Öffnungszeiten sind Sonntag bis Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr sowie freitags 9 Uhr bis 14 Uhr. Wien hat damit eine neue Buchhandlung, die jüdische Community einen neuen Treffpunkt und alle am Judentum Interessierten einen Ort, an dem man alles fragen kann, was man schon immer wissen wollte.

Denn es wird auch Dorothy Singer sein, die den Infopoint für die IKG führt. Und sie kann man wirklich alles fragen. Auch, was es mit den alten Mauerresten auf sich hat, die hier im Zug der Sanierungsarbeiten freigelegt und nun in die Neugestaltung so integriert wurden, dass sie sichtbar blieben. Sie waren einst ein Teil der Stadtmauer, erklärte Singer am Sonntag. An der Adresse Rabensteig 3 befand sich bis 1825 das Katzensteigtor. Diese Geschichte wird sie in den kommenden Jahren wohl noch oft erzählen.