"Bekommst du zu deinen Weihnachten auch Geschenke?", wurde das Kind heuer von anderen in der Schule gefragt. Es ist nicht das erste Mal. Und ich weiß nicht, ob es erklärt hat, dass es keine jüdischen Weihnachten gibt oder dass das Chanukka-Fest heuer schon vorbei ist oder ob es einfach nur gesagt hat, ja, ich kriege da auch etwas geschenkt. Aber mir hat es das ganze erzählt und das war dann Anlass, sich über Unterschiede in den Religionen und Religion allgemein zu unterhalten und interessanterweise war es nicht der einzige Anlass in dieser Advents- und Weihnachtszeit, der zu einem Gespräch über Religion führte, sodass ein Fest, das wir gar nicht feiern, irgendwie auch bei uns zu Besinnlichkeit geführt hat. Ob es anderen jüdischen Familien wohl auch so geht?

Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Was macht man als Jude, als Jüdin zu Weihnachten? Nichts besonderes. Wir waren heuer nachmittags im Theater, sind dann durch die Innenstadt spaziert, in der es heute – anders als etwa vor 20 Jahren – am Heiligen Abend so gar nicht ruhig und still ist, sondern durch viele Touristinnen sehr belebt und man sich angesichts langer Schlangen vor den Würstelständen, die geöffnet haben, fragt, wo all diese Menschen wohl etwas zu essen bekommen werden. Und dann ließen wir uns zu Hause selbst ein gutes Abendessen schmecken und ansonsten war es ein Tag wie jeder andere. Fast.

Denn da sind ja die vielen Menschen, die einem "Frohe Weihnachten" wünschen und ist das in einem Geschäft so oder auf der Straße und kennt man die Menschen nicht, dann sehe ich das inzwischen als die hiesige Form der "season’s greetings" und wünsche "auch schöne Feiertage". So ist es eben. Was aber tun, wenn es Nachbarn sind, die im selben Haus wohnen? Und sich nicht darauf beschränken, frohe Weihnachten zu wünschen, sondern das Kind fragen, ob es sich schon auf das Christkind freut? Was tun, wenn eine Ärztin, die man zum ersten Mal aufsucht, nett meint, alle Kerzen auf dem Baum auszublasen wäre eine gute Übung für die Lunge?

Irgendwann ist man es leid, zu erklären, dass man ja nicht Weihnachten feiere. Also haben wir bei der Ärztin alle drei mehr oder weniger geschwiegen, mein Mann, meine Tochter und ich. Und auch der Nachbar bekam einfach ein "auch frohe Feiertage" statt einer Antwort auf seine Frage. Wir leben in einem christlich geprägten Land. Es hat keinen Sinn, gegen Mauern zu rennen.