Feminismus mit Hut und Lippenstift

Nur ist dann mit einem Mal nichts mehr perfekt, als Miriam "Midge" Maisel (zuckersüß gespielt von Rachel Brosnahan), die Titel-gebende Figur, von einem Tag auf den anderen ohne Ehemann, aber mit zwei Kindern dasteht und wieder bei ihren Eltern einziehen muss. Zufällig stolpert sie an einem Abend mit zu viel Alkohol in eine Karriere als Stand-up Comedian, und sich da zu behaupten in einer Zeit, als die Bühne in diesem Metier großteils von Männern bespielt wurde, ist nicht leicht. Doch Mrs. Maisels kämpft und das mit scharfem Mundwerk, süßem Lächeln und perfekter Figur. Sie wirkt wie einem bonbonfarbenen Katalog mit Hutmode aus den 1950ern entsprungen und es umspielt sie eine Leichtigkeit, die in ihrer Überzeichnung an Comicverfilmungen erinnert.

Was den Reiz von "The Marvelous Mrs. Maisel" aber vor allem ausmacht, ist die zutiefst jüdische Gesellschaft, die hier porträtiert wird. Das zieht sich vom Jahreskreislauf bis zum jüdischen Sommerressort in den Catskills, vom Essen bis zur Hintergrundmusik. Und bezaubernd ist, wie in die Dialoge immer wieder jiddische Ausdrücke eingeflochten werden – was einem vor allem dann auffällt, wenn man sich die Serie in der englischsprachigen Originalversion ansieht. Da bezeichnet sich etwa Midge Maisels Vater (dargestellt von Tony Shalhoub, bisher vor allem durch die Rolle des "Mr. Monk" bekannt) als "Macher" und meschugge sind in diesem Setting sowieso alle irgendwie. Diese Serie ist jüdische Popkultur vom Feinsten. So marvelous!