Und dann gibt es auf der anderen Seite Regierungsmitglieder, die sich rühmen, allerlei Routen geschlossen zu haben, die Asylwerber allesamt als Wirtschaftsflüchtlinge diskreditieren, die kaum eine Woche vergehen lassen, um anzukündigen, welche weiteren Restriktionen es für Asylsuchende und auch bereits Asylberechtigte geben soll. Natürlich gibt es Probleme, die zu lösen sind und Menschen, die Probleme machen. Doch anstatt konstruktive Lösungen zu suchen, wird verallgemeinert, zugespitzt, werden Ängste geschürt. Und so entsteht ein Klima der Sorge bei den einen und ein Gefühl der Ohnmacht bei den anderen und diese Polarisierung, die sich wie eine Schraube immer mehr festsetzt, vergiftet das gesellschaftliche Klima von Tag zu Tag mehr. Sie setzt Menschen auf allen Seiten unter Druck, die einen, die meinen, sich nicht mehr sicher zu fühlen, die anderen, die kamen, um sicher zu sein, und deren Handlungsspielraum von Tag zu Tag kleiner wird und deren Zukunftsperspektive schwindet. Dazu kommen Erinnerungen an das Erlebte und Jahre langes Warten auf eine Entscheidung der Behörden und dieser Zustand drückt auf die Psyche. Auch bei meinen Freunden gab es diese Momente der Verzweiflung. Und da hilft dann alles gute Zureden nicht, denn ja, manchmal muss man sich ein- und den anderen zugestehen, die Situation ist beschissen, da hilft alles Beschwichtigen nichts.

Der Richter hat an diesem Dienstag Mittag dem afghanischen Ehepaar mit seinen drei kleinen Kindern Asyl zuerkannt. Und in diesem Moment, in dem wir alle da standen und die Anspannung zuvor ins Unermessliche hochgeklettert war, da war es zuerst gar nicht so sehr ein Gefühl von Freude. Ich spürte, wie bei mir als allererstes Tränen zu fließen begannen und im zweiten Moment fühlte es sich an, als ob ein riesiger Rucksack von meinen Schultern geglitten wäre. "Willkommen in Österreich", sagte der Richter. Dieser wunderbare Moment hatte viele Mütter und Väter: Meine Freundinnen von Shalom Alaikum zählen ebenso dazu wie Michael Genner von Asyl in Not, der die Rechtsvertretung übernommen hat, aber auch die Kinderfreunde, die sich seit Jahren rührend der Kids annehmen, die Lehrerinnen in der Schule und die Kindergartenpädagoginnen, die sich über ihre berufliche Tätigkeit hinaus, für die Kinder engagiert haben. Diese Familie fand, trotz aller Schwierigkeiten, in Österreich Menschen, die für sie da waren und auch weiter da sein werden. Flucht hat viele Gesichter. Ein gutes Ankommen in der neuen Heimat ist eines der schönen.