Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister ist ab sofort einer von zwei Sonderbeauftragten der Europäischen Rabbinerkonferenz, die sich gegen Rechtsextremismus in Europa einsetzen. - © Alexia Weiss
Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister ist ab sofort einer von zwei Sonderbeauftragten der Europäischen Rabbinerkonferenz, die sich gegen Rechtsextremismus in Europa einsetzen. - © Alexia Weiss

Die Europäische Rabbinerkonferenz, der rund 700 Rabbiner in ganz Europa, aber auch aus Russland oder der Ukraine angehören, sagt nun dem Rechtsextremismus in Europa den Kampf an. Der Vorstand der Rabbinerkonferenz hat zwei Vertreter zu Sonderbeauftragten gegen Rechtsextremismus ernannt. Der eine ist Alexander Pesov, er gehört dem Kreis der Schirmherren der Europäischen Rabbinerkonferenz an. Der andere ist der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister.

Er machte am Mittwoch im Interview mit der Wiener Zeitung klar: Im Visier der Rabbinerkonferenz sind nicht nur auch nach dem jeweiligen nationalen Gesetz als rechtsextrem eingestufte Bewegungen. "Uns geht es grundsätzlich um rechtsextremes Gedankengut. Und das findet sich auch diesseits des rechtsextremen politischen Spektrums. Rechtsextremes Gedankengut kann quer durch die Gesellschaft auftauchen. Menschen informieren sich, werden desinformiert und vertreten dann extreme Meinungen, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass sie damit faschistischer Propaganda auf den Leim gegangen sind." Daher gehe es der Rabbinerkonferenz nun darum, aufzuzeigen, wieviele Menschen einschlägige Sprache benutzen oder rechtsextreme Konzepte und Standpunkte vertreten, um zu verhindern, dass rechtsextreme Gedanken noch weiter in die Mitte der Gesellschaft einsickern.

Gegen jede Form von Rassismus

Rabbiner Hofmeister betonte zudem: Es gehe hier nicht nur um Antisemitismus. "Antisemitismus ist nur ein Effekt von rechtsextremem Gedankengut. Uns geht es um jede Form von Rassismus, jede Form von Intoleranz Andersdenkenden gegenüber, jede Form von Nichtakzeptanz gegenüber anderen Kulturen. Jede Form der Diskriminierung von Andersdenkenden ist rechtsextrem." Grundsätzlich wolle man faschistisches, demokratiefeindliches Gedankengut zunächst aufzeigen. Ziel sei es dann, Gegenkonzepte entwickeln.

Warum sich die Europäische Rabbinerkonferenz zu diesem Weg entschlossen hat, erklärt Rabbiner Hofmeister so: "Es ist eine Augenauswischerei zu denken, dass die Urheber von Intoleranz und Respektlosigkeit gegenüber einer bestimmten Minderheit, sich nicht auch gegenüber anderen Gruppen so verhalten. Das gehört immer zusammen. Sowohl der Rassismus als auch der Antisemitismus oder das identitäre Gedankengut sind Pflanzen, die auf dem gleichen Grund wachsen."

Und sie wachsen derzeit gut in Europa, diese Pflanzen. "Wir haben einerseits rechtsextremes Gedankengut auf militante Art und Weise auf den Straßen in Ostdeutschland, in skandinavischen Ländern, in Belgien, in Holland. Wir haben rechtsextremes Gedankengut in fast allen Parlamenten Europas. Wir finden rechtsextreme Positionen in Medien, an Schulen, bei Lehrern. Rechtsextreme Aussagen finden sich quer durch die Gesellschaft, es gibt keinen Bereich, wo Ansätze davon bis hin zu ausgereiftem Rechtsextremismus nicht zu finden sind", so der Rabbiner. Rechtsextremes Gedankengut sei längst nicht mehr nur dem klassischen Rechtsextremismus zuzuordnen, sondern werde heute auch weit links davon kultiviert.