Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

In Neuseeland bringt ein Mann, der sich dazu berufen fühlt, die Vorherrschaft des weißen Menschen dadurch zu besiegeln, indem er zugewanderte Muslime wahllos ermordet, insgesamt 50 Menschen um, darunter auch Kinder. 50 Menschen, die nicht nur das Pech hatten, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein. Es waren 50 Menschen, deren Leben nur deshalb beendet wurde, weil sie Muslime waren.

In seinem zuvor im Netz veröffentlichten Manifest machte der Attentäter klar, in welcher Gedankenwelt er sich bewegt. Als Titel wählte er "Der große Austausch". "Der große Austausch" nannte sich auch die Kampagne der Identitären von 2014. Bei der Donnerstagsdemonstration gegen die aktuelle Regierungspolitik tauchten vergangene Woche auch Vertreter der Identitären auf: Sie hielten ein Banner mit der Aufschrift "Stoppt den großen Austausch!" hoch. Sie taten das wenige Tage nach dem Anschlag von Christchurch.

Wenig später wurde die Spende des Attentäters von Christchurch an die österreichischen Identitären bekannt, überwiesen an deren Sprecher, Martin Sellner. Er selbst berichtete im Netz von einer Hausdurchsuchung bei ihm. Am Tag danach ließen Bundeskanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache dann verlauten, die Regierung lasse prüfen, ob die Identitären aufgelöst werden könnten.

Verbindungen zwischen FPÖ und Identitären

In den vergangenen Tagen wurde einmal mehr medial alles zusammengetragen, was es an Verbindungen zwischen FPÖ und Identitären gibt. Strache selbst ist auf einem Foto zu sehen, das ihn an einem Tisch sitzend inmitten von Vertretern der Identitären in einem Lokal zeigt. Das Foto war bereits Gegenstand einer Gerichtsverhandlung – Strache hatte den Politikberater Rudolf Fussi geklagt, der von einem gemütlichen Beisammensein mit Identitären berichtet hatte. Fussi legte vor Gericht jedoch Fotos vor, die keinen Zweifel zuließen – und Strache zog die Klage zurück. Sellner wiederum besuchte den inzwischen als "Akademikerball" titulierten Burschenschafterball in der Hofburg, dem auch Strache sowie Sozialministerin Beate Hartinger-Klein beiwohnten.

Gesellschaftliche Events, bei denen man halt aufeinander trifft, könnte man sagen. Mitnichten. Die Verbindungen gehen viel tiefer. Es gibt jede Menge Interaktionen zwischen freiheitlichen Mandataren und Vertretern der Identitären (die Wiener Zeitung berichtete). Da ist etwa der Grazer FPÖ-Gemeinderat Heinrich Sickl, der an jener Adresse das "Hacker-Zentrum" betreibt, das "jungen Patrioten Freiraum" geben soll, an der der Hauptverein der Identitären in Graz gemeldet ist. Und wenn man dann liest, dass Sickl als Obmann des Freiheitlichen Akademikerverbands Steiermark 2016 eine Diskussionsreihe unter dem Titel "Sturm auf Europa" organisierte, fügt sich auch inhaltlich ein Puzzlestein zum anderen.