Niemals vergessen. Wichtiges Anliegen, das aber ehrlich gemeint sein muss. Ansonsten sind diesbezügliche Ansagen entbehrlich. - © Alexia Weiss
Niemals vergessen. Wichtiges Anliegen, das aber ehrlich gemeint sein muss. Ansonsten sind diesbezügliche Ansagen entbehrlich. - © Alexia Weiss

Heute wird in Israel der Jom HaSchoa begangenen. Wie viele jüdische Feiertage begann er gestern abends und endet mit dem heutigen Sonnenuntergang. Traditionellerweise entzünden dabei Holocaust-Überlebende eine Fackel in Jerusalem. Heuer waren dies Fanny Ben-Ami, Bela Eizenman, Shaul Lubovitz, Menachem Haberman, Sara Shapira und Yehuda Mimon. Sechs Überlebende stellvertretend für sechs Millionen in der NS-Zeit ermordete Juden und Jüdinnen, darunter 1,5 Millionen Kinder. Das heurige Gedenken wurde unter den Titel "Der Krieg im Krieg: Der Kampf der Juden den Holocaust zu überleben" gestellt.

Gedenkfeiern in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sind würdevoll. Sie sind ehrlich, sie sind authentisch. Im Allgemeinen sind sie das jedenfalls. Umso mehr schmerzt es, wenn ausländische Politiker meinen, an diesem Ort eine Kasperliade aufführen zu müssen, wie der heutige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache vor einigen Jahren, der meinte, statt Kippa oder Hut eine Burschenschafter-Kappe, auch Biertönnchen genannt, aufsetzen zu müssen.

In wenigen Tagen findet in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen das diesjährige Gedenken anlässlich der Befreiung des Lagers im Mai 1945 statt. "Niemals Nummer. Immer Mensch" wählten das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und das Comité International de Mauthausen (CIM) als heuriges Thema. "Das letzte Merkmal der Individualität wurde den Neulingen im letzten Akt der Einweisung genommen. Bei der Registrierung im Büro wurde jeder mit einer Nummer versehen. Der Raub des Eigennamens gehört zu den tiefgreifendsten Verstümmelungen des Selbst. Er dokumentiert das Ende der bisherigen Lebensgeschichte", schrieb dazu Wolfgang Sofsky in "Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager". Gedenkreden werden bei dieser Erinnerungszeremonie von Vertretern von Opferorganisationen gehalten.

Gedenktage wie der 5. Mai – an diesem Tag wurde das KZ Mauthausen befreit – oder der 8. Mai (da findet anlässlich der Befreiung Österreichs vom NS-Regime an diesem Tag im Jahr 1945 am Heldenplatz auch heuer das "Fest der Freude" statt) werden jedoch auch oft von Politikern und Politikerinnen zum Anlass genommen, das "Nie mehr wieder" zu beschwören. Ich habe über die Jahre schon mehrmals in diesem Blog dargelegt, warum das zunehmend hohl klingt.