Kein Pflichtprogramm

Ich wurde im Rahmen des Projekts ebenfalls gebeten, einen Vortrag zu halten, Thema war jüdisches Leben in Wien heute. Wie ich es auch etwa aus Gesprächen mit Geflüchteten kenne, traten bei diesem Austausch viele Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Muslimen zu Tage. Erfrischend waren aber vor allem die große Neugierde und die vielen Fragen, die mir von den jungen Menschen gestellt wurden. Erfrischend war auch die Herzlichkeit sowohl der Organisatoren als auch der Teilnehmenden, die während der eineinhalb Jahre bis hin zur Schlusspräsentation des Projekts hinein spürbar war. Hier wurde nicht einfach nüchtern ein Pflichtprogramm abgespult, um sich von Vorwürfen zu befreien, hier war ehrliches Interesse am Kennenlernen, am Austausch, am Überwinden vermeintlicher Gräben greifbar.

Ja, dieses Projekt der muslimischen Jugend war ein Meilenstein. Und ein gutes Beispiel dafür, dass es besser ist aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen als übereinander zu reden und dabei möglicherweise Ressentiments zu befeuern. Gewachsen ist dabei auch ein Stück Zusammenhalt zwischen Vertretern beider Religionsgemeinschaften.

Beide Gruppen sind immer wieder von Ausgrenzung betroffen, beide Gruppen haben mit Hass zu kämpfen. Sowohl Deutsch als auch Vural betonten, als Minderheit habe man auch für andere Minderheiten einzutreten, wenn diese angegriffen würden. Also Muslime für Juden, die von Antisemitismus betroffen sind, und Juden für Muslime, wenn diese ausgegrenzt werden. So klar habe ich das in den vergangenen Jahren nicht gehört. Gut, wenn sich hier etwas tut.