Zwei ineinander verschlungene Dreiecke: aus diesen beiden Formen setzt sich der Davidstern – der Magen David (wörtlich: Schild Davids) – zusammen. Er findet sich auf Synagogen, auf Friedhöfen, heute in zahlreichen Logos von Organisationen mit jüdischem Bezug. Der Staat Israel hat ihn auf seine Flagge gehievt.

Trotzdem die Nationalsozialisten den Davidstern auf gelben Stoff druckten und so zum Judenstern abwerteten, durch den Menschen stigmatisiert, ausgegrenzt, Verfolgung preisgegeben wurden, ist der Davidstern bis heute unter Juden und Jüdinnen ein positiv besetztes Symbol. Das sehe ich als wichtigen und beeindruckenden Punkt: Man hat sich dieses Symbol nicht nehmen und nicht entwerten lassen. Man ist stolz darauf. Man trägt ihn als Schmuckstück.

Die Linien des Davidsterns bilden ihrerseits viele Formen. Jeder Buchstabe des hebräischen Alphabets sei auf diesen Linien zu finden, erzählte mir jüngst meine Tochter nach einer Religionsstunde. Das sind Phänomene, die ich faszinierend finde. Zufall oder Konstruktion? Kann so etwas Komplexes, wie alle Buchstaben eines Alphabets in ein Zeichen zu integrieren, überhaupt Zufall sein? Kann so etwas dann eben doch nur mit Gottes Schöpfung erklärt werden?

Der Davidstern

Entgegen der landläufigen Vorstellung, etablierte sich der Davidstern allerdings erst ab dem Mittelalter als Symbol – an Synagogen ist er verstärkt ab dem 17. Jahrhundert zu finden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Stern von zionistischen Organisationen aufgegriffen. Der HaShomer HaTzair, die jüdisch-zionistische Jugendorganisation, die auch in Wien sehr präsent ist, hat bis heute auf ihren blauen Hemden ein Emblem, in das ein Davidstern integriert ist.

Zur mystischen Bedeutung des Magen David gibt es zahlreiche Interpretationsansätze. Einer meint, das Dreieck verbinde die jüdische Seele mit ihrem Schöpfer durch das Studieren und Beachten der Tora – drei Punkte, zu einem Ganzen verbunden. Ein Dreieck stehe dabei für die innere Dimension, eines für die äußerliche. Durch Gottes sichtbare Energie zeigt sich die Welt, sein Wesen aber bleibt verborgen. Eine andere Erklärung lautet, dass die sechs Zacken für die sechs Tage der Schöpfung stehen und das dadurch gebildete Sechseck den siebenten Tag, den Ruhetag Schabbat, symbolisiere.

Es gibt noch weitere Symbole, die für das Judentum stehen: von der Menora, dem siebenarmigen Leuchter aus dem zerstörten Tempel in Jerusalem, über die Chamsa, die schützende Hand Miriams, bis zum Begriff Chaj, der sich aus den Buchstaben Chet und Jud zusammensetzt und der Leben bedeutet. Werden aber Symbole verschiedener Religionen nebeneinander gereiht, dann wird gerne der Davidstern benutzt. Seit Jahren gibt es etwa T-Shirts mit dem aufgedruckten durch Symbole zusammengesetzten Begriff "Coexist". Das C wird dabei als Halbmond dargestellt, das X als Davidstern, das T als Kreuz.

Das Kreuz

Während übrigens in früheren Jahrhunderten auch Christen und Muslime Kirchen und Moscheen mit dem Davidstern als Symbol des Schutzes versahen beziehungsweise es als Talisman einsetzten und sich die klare jüdische Zuschreibung also erst nach und nach etablierte, habe ich in Synagogen noch keine Kreuze gesehen. Warum, ist leicht erklärt: Die Konzeption der Gottgleichheit von Jesus wird vom Judentum abgelehnt.

Das Kreuz ist zudem jenes Symbol, das für christliche Kirchen und damit durch Jahrhunderte geschürten Antisemitismus steht. Nach der Schoa hat sich das sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche geändert, heute ist man um Dialog auf Augenhöhe bemüht. Vergessen darf man es aber nicht. Was das Kreuz sicher nicht ist, ist daher ein Symbol des christlich-jüdischen Erbes in Europa. Was den christlichen Gläubigen Stärke gab (und bis heute gibt), war Juden, die unter dem von Kirchenvertretern geschürten Antisemitismus und auch Verfolgung zu leiden hatten, Last.