Seit 7. Mai sind am Ring zwischen Bellaria und dem Äußeren Burgtor große Fotoporträts ausgestellt. Sie zeigen Gesichter von Schoa-Überlebenden. Es sind Gesichter heute alter Menschen, Porträts, die zeigen, diese Menschen haben nicht nur überlebt, sondern auch viel erlebt, weil sie trotz allem das Glück hatten, nicht ermordet zu werden. Wie es ihnen in ihrem Leben ergangen ist, sieht man ihnen nicht an. Doch wenn man in ihre Augen blickt, freut man sich, dass es ihnen gelungen ist, dem Schicksal, das ihnen das nationalsozialistische Terrorregime zugedacht hatte, zu entgehen.

Einige dieser Porträts stehen auch an einem anderen Ort in Wien: In der Tempelgasse in der Leopoldstadt, zwischen einer Synagoge sowie jüdischen Schule und dem psychosozialen Zentrum Esra (Hebräisch: Hilfe) der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Die Bilder stehen nicht zufällig dort, denn es war Esra, das die Ausstellung "Gegen das Vergessen" des Fotokünstlers Luigi Toscano nach Wien holte. Toscano hat in den vergangenen Jahren fast 300 Überlebende der NS-Verfolgung porträtiert. Als Ausstellungsort wählt er stets den öffentlichen Raum, um seine Bilder so vielen Menschen als möglich zugänglich zu machen.

In Wien wurde der Ring als Schauraum auserkoren, um, wie Esra-Geschäftsführer Peter Schwarz betont, deutlich zu machen, wohin Verhetzung und Diffamierung von Bevölkerungsgruppen führe. Zu sehen war die Ausstellung bereits in Städten wie Berlin, New York, Washington, Boston oder San Francisco. Was anderswo zwar ebenfalls für Aufsehen sorgte, tat dies in Wien auf doppelte Weise. Denn in Österreich wurde die Installation mehrmals beschädigt. Zunächst wurden Porträts mit Hakenkreuzen beschmiert. Auf ein Foto wurde die Gleichung "1 Jesus = 6000000 Juden" geschrieben. IKG-Präsident Oskar Deutsch zeigte sich entsprechend betroffen, der Bundespräsident und Politiker verschiedenster Parteien ebenso. Eine spezielle Bewachung wurde seitens der Polizei jedoch nicht ins Auge gefasst.

Sprachlosigkeit

Nun könnte man sagen: es sind ja nur Bilder, es ist ja nur Kunst. Wer kommt schon zu Schaden. Ja. Aber auch nein. Diese Porträts haben viel mit der Geschichte des Landes zu tun und auch mit dem Land und seiner Verfassung heute. Und das zeigte sich auch wenig später. Da wurden über Nacht einige Fotos nämlich nicht nur beschmiert, sondern zerschnitten. (Bisher) Unbekannte haben den hier porträtierten Holocaust-Überlebenden das Gesicht herausgeschnitten. Toscano hielt auf seiner Facebook-Seite fest: "Ich bin einfach nur sprachlos, schon wieder gab es einen Anschlag auf meine Bilder. Österreich was ist los mit dir???? Weder die Polizei noch das österreichische Innenministerium sind in der Lage Schutz zu leisten."