Jene Menschen aber, die es bis Österreich geschafft haben, jene, die vielleicht sogar schon einen positiven Asylbescheid erhalten haben, sie werden teils als Bedrohung wahrgenommen, als unerwünschte Eindringlinge in die Gesellschaft hier. Sie werden teils als Menschen wahrgenommen, denen es zu helfen und die es mit gemeinsamer Hilfe zu integrieren gilt. Wer aber setzt sich nach dem Asylverfahren, in dem die Befragungen teils wenig rücksichtsvoll durchgeführt wurden, mit dem auseinander, was diese Menschen in ihrem Heimatland und auf der Flucht erlebt haben? Vor allem aber, wer fragt die Kinder?

Wenn ich heute spüre, wie sehr eine inzwischen betagte Dame noch immer unter dem leidet, was sie als kleines Kind erlebt hat, dann sehe ich die Notwendigkeit mit den Flüchtlingskindern von heute systematisch das Erlebte aufzuarbeiten. Ja, das braucht jede Menge Ressourcen. Aber es bietet auch die Chance, dass sie in ihrem Alter nicht von den Geistern der Kindheit verfolgt werden. Und es bietet die Chance, dass ihre Kinder nicht mit Traumata zu kämpfen haben. Gesundheit betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Das ist lange bekannt. Prophylaxe statt Akutbehandlung: Dieses Credo sollte grundsätzlich im Gesundheitssystem groß geschrieben werden. Viel mehr Beachtung muss dieses Prinzip aber vor allem bei der psychischen Gesundheit erhalten. Und wenn dem so wäre, würde jeder und jede Geflüchtete und eben auch jedes geflüchtete Kind dahingehend unterstützt, das Erlebte gut zu verarbeiten. Und ja, ich weiß, ein frommer Wunsch, da kostspielig. Die Frage ist nur, was würde man den Menschen ersparen und was hätte es für positive Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft, würde man hier investieren. Ein Anfang wäre aber schon gemacht, wenn es hier mehr Bewusstsein gäbe, dass diese Kinder bereits mit einem schweren Rucksack hier ankamen.