Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Was macht helle Haut besser als dunkle? Warum werden Menschen mit heller Haut positiver wahrgenommen als Personen mit dunkler Haut? Werden sie positiver wahrgenommen? Von wem werden sie positiver wahrgenommen? Wer sieht einfach nur – Menschen?

Wir leben im 21. Jahrhundert und man möchte meinen, Stereotype und Vorurteile wurden erkannt und weitgehend abgebaut. Mitnichten. Das wissen nicht nur Homosexuelle, die das Pech hatten, in Russland geboren worden zu sein. Das wissen auch Menschen mit dunkler Hautfarbe in den USA. Junge schwarze Männer laufen dort wesentlich häufiger Gefahr, von der Polizei angehalten oder sogar getötet zu werden als Gleichaltrige mit heller Haut.

Und leider wissen das auch Juden und Jüdinnen äthiopischer Herkunft in Israel. Aktuell gibt es wieder massive Proteste, nachdem ein 19-jähriger von einem Polizisten erschossen wurde. Er hatte kein Kapitalverbrechen begangen, er war auch nicht vor einer Festnahme davongelaufen. Ja, er hatte sich nicht korrekt benommen. Ja, er hatte sich alles andere als korrekt benommen.

Der Jugendliche war mit anderen äthiopisch-stämmigen Jugendlichen unterwegs und wirkte angetrunken, wie der Polizist, der ihn tötete, später zu Protokoll gab. Die Gruppe war dabei, einen 13-Jährigen zu attackieren, der Polizist war mit seiner Frau und seinen Kindern spazieren. Als er sah, wie die Gruppe einen Buben drangsalierte, gab er sich als Polizist zu erkennen und griff ein. Doch die Jugendlichen griffen nun ihn an und warfen Steine nach ihm. Da habe er einen Warnschuss auf den Boden abgegeben, sagte er später. Die Kugel sei jedoch vom Boden abgeprallt und habe den 19-Jährigen getroffen und getötet.

Ja, hätten die Jugendlichen Ruhe gegeben, als der Polizist einschritt, wäre das alles nicht passiert. Doch hat der Bursche den Tod verdient? Wohl genau so wenig wie viele Jugendliche in den USA, die in ähnlichen Situationen erschossen werden. Die aktuellen Proteste richten sich denn auch gegen den strukturellen Rassismus in der israelischen Gesellschaft. Juden äthiopischer Herkunft werden als Äthiopier wahrgenommen und nicht als Israelis.

150.000 Israelis äthiopischer Herkunft

Der große melting pot, das Best-Practice-Beispiel Israel, wenn es um gelungene Integration geht, funktioniert nicht. Weiße Haut, schwarze Haut. Rund 150.000 Menschen äthiopischer Herkunft leben heute in Israel. Manche von ihnen haben den sozialen Aufstieg geschafft, viele aber blieben, was sie oder ihre Eltern bei ihrer Ankunft in Israel waren: arm. Häusliche Gewalt kommt überdurchschnittlich oft vor und ja, Jugendliche benehmen sich nicht immer so, wie sie sich benehmen sollten. Liest man Reportagen anlässlich der aktuellen Proteste, aber auch jener von 2015, macht sich hier vor allem Hoffnungslosigkeit breit. Wenn Jugendliche spüren, dass auch ihre Zukunft so aussehen wird, dass sie als Reinigungskraft arbeiten, wenn sie merken, dass sie zwar Juden sind, aber dennoch nicht dazugehören, dann führt das zu einer Hau-Drauf-Mentalität. Das tut einer Gesellschaft nicht gut.