"Operation Moses" brachte Mitte der 1980er Jahre die ersten äthiopischen Juden nach Israel, rund 6.500 waren es damals. Über die Jahre gab es weitere solcher Rettungsaktionen. Besonders spektakulär fiel jene aus dem Jahr 1991 aus: Innerhalb von 36 Stunden transferierte das israelische Militär 14.325 Jüdinnen und Juden aus Äthiopien nach Israel.

Ja, im Straßenbild stechen Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe in Tel Aviv oder Jerusalem genauso heraus wie sie das in der U-Bahn in Wien tun. Wie lange wird es dauern, bis Menschen von allen anderen Menschen einfach eben nur als Menschen wahrgenommen werden, unabhängig von ihrer Hautfarbe? Dass es in Wien Rassisten gibt, bedaure ich, aber leider: es ist so. Dass es in den USA Rassisten gibt: ja, leider, auch dort ist es so. Dass es in Israel Rassisten gibt: Das kann man positiv und negativ interpretieren. Positiv: Israel ist eben ein Land wie jedes andere auch. Juden und Jüdinnen sind keine besseren Menschen als andere. Sie sind einfach: Menschen.

Gefühl des Fremdschämens

Negativ: Wie können gerade Menschen, deren Vorfahren in vielen Fällen Antisemitismus und Verfolgung ausgesetzt waren, auf andere hinabschauen, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben? Ich kann es nicht nachvollziehen und es macht sich ein Gefühl des Fremdschämens breit.

Wie es in den Wald ruft, hallt es zurück, lautet eine Volksweisheit. "Andere Einwanderer haben es viel leichter. Es ist alles wegen der Hautfarbe, und das ist schrecklich frustrierend", wird ein Israeli äthiopischer Herkunft in einem aktuellen Bericht in der "Jüdischen Allgemeinen" zitiert. "Die einzige Zeit, in der man uns respektiert, ist die in der Armee. Haben wir die Uniform ausgezogen, sind wir wieder die Sch’chorim – die Schwarzen. Wir werden als Juden angesehen und gehören theoretisch in Israel dazu. Praktisch aber nicht."

Menschen, die nur als troublemaker wahrgenommen werden, werden irgendwann auch troublemaker. Menschen, denen keine Chancen gegeben werden, ist irgendwann alles egal. Das tut einer Gesellschaft nicht gut. Das ist aber umso absurder, wenn es sich um eine Einwanderungsgesellschaft handelt, wie das in den USA der Fall ist, aber eben auch in Israel. Soziale Probleme kann man bekämpfen. Bildung ist hier ein Schlüssel. Bei anderen Zuwanderergruppen in Israel hat das gut funktioniert.

Es geht also doch um eine Schranke in den Köpfen. Es geht um die Hautfarbe. Ja, Juden können auch sehr dunkle Haut haben. Juden sehen eben nicht so stereotyp aus, wie sie von den Nazis dargestellt wurden. Juden können rote Haare und Sommersprossen und helle Haut haben, Juden können glatte schwarze oder hellbraune gelockte Haare haben, blaue, grüne, braune Augen, sie können kleine oder große Nasen haben, schmale oder breitere Lippen, kleine oder große Ohren. Es gibt nicht den prototypischen Juden.

Was man gegenüber anderen bekämpft, muss man doch auch in Bezug auf die eigene Gruppe anwenden. Antisemitismus verurteilen und Rassismus leben: Das geht für mich nicht zusammen. Das sehen natürlich auch in der israelischen Gesellschaft viele so. Es mögen nur bitte rasch mehr und immer mehr werden. Damit den israelischen Kindern mit dunkler Hautfarbe morgen alle Türen offen stehen. Das wäre auch im Sinn der Tora.