Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Manche Gegenden in deutschen Städten sind ein raues Pflaster für Juden, die als Juden erkennbar sind. In der Vergangenheit führten tätliche Angriffe regelmäßig zu Diskussion: Ist es vernünftiger ohne Kippa auf die Straße zu gehen oder eine unauffälligere Kopfbedeckung zu wählen? Was als präventive Sicherheitsmaßnahme auf den ersten Blick vernünftig scheint, geht allerdings mit Selbstverleugnung einher. Wie weit ist es von der Entscheidung, in der Öffentlichkeit nicht mehr als praktizierender Jude erkennbar zu sein, bis zu dem Schritt, seine Identität grundsätzlich zu verschleiern?

Antisemitismus macht sich in verschiedensten Ausprägungen sichtbar: Da ist der rechte Judenhass, über Jahrhunderte gehegt und gepflegt, nach der NS-Zeit massiv bekämpft und dennoch immer noch nicht gänzlich bezwungen. Da ist der Antisemitismus, der sich mit dem Etikett "Israel-Kritik" zu tarnen versucht und doch nichts ist als Ressentiment gegen Juden. Zu Tage tritt er etwa in Form der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions). Und dann sind da noch die antijüdischen Einstellungen und Aktionen von muslimischer Seite. Sie manifestieren sich etwa als Spuckattacken von Jugendlichen mit beispielsweise türkischem Migrationshintergrund auf Juden mit Kippa.

Dialogprojekt "Schalom Aleikum"

Um Antisemitismus zu begegnen, gibt es verschiedenste Lösungsansätze: Sie reichen von der Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen bis zu Aufklärungskampagnen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland entschied nun, eine nochmals andere Richtung einzuschlagen: Er startete das Dialogprojekt "Schalom Aleikum". Und ja, manchen könnte das an die Wiener Flüchtlingshilfeinitiative "Shalom Alaikum" erinnern. Bei letzterer greifen jüdische Frauen mehrheitlich muslimischen Geflüchteten unter die Arme. Beim deutschen Dialogprojekt sollen Juden und Muslime zu gemeinsamen Gesprächsrunden zusammentreffen.

Den Auftakt machte eine Begegnung von jüdischen und muslimischen Jungunternehmern und Start-up-Gründern. Was sie vereint ist der berufliche Kontext. Was sie aber auch eint ist ihre kulturell-religiöse Identität als Angehörige von Minderheiten. Wie groß da die Übereinstimmung von Befindlichkeiten sein kann, zeigt sich aber eben erst im persönlichen Austausch. Doch auch so manche Geschäftsidee kann durchaus für observante Gruppen beider Religionsgemeinschaften interessant sein: die österreichische Muslima und Modemacherin Naomi Afia Günes‐Schneider entwirft modest fashion und ist dabei, ihr eigenes Label zu gründen. Weite Schnitte und intransparente Stoffe sorgen dafür, dass die Kreationen nicht allzu freizügig, aber dennoch modisch sind, erläutert sie ihr Konzept. Das könne auch für christliche und jüdische Frauen interessant sein, argumentiert die Designerin.