Führt mich eine Reise in eine Stadt, in der es ein jüdisches Museum gibt, suche ich dieses gerne auf. Man könnte meinen, kennt man ein jüdisches Museum, dann kennt man alle, doch dem ist ganz und gar nicht so. Sie sind ganz verschieden gestaltet, vor allem aber haben sie oft spannende Objekte, die regionale Verschiedenheiten dokumentieren.

Das Jüdische Museum in Paris – der offizielle Name lautet Musée d’art et d’histoire du Judaïsme (Museum der Kunst und Geschichte des Judentums) – ist zum einen in einer Stadt, in der man ansonsten entweder Wochen im Voraus online Tickets buchen oder lange anstehen muss, um sich eine Ausstellung anzusehen, ein äußerst ruhiges Haus. Hier ist zwar die Sicherheitskontrolle aufwändig, dafür gibt es keine Warteschlange vor der Ticketkassa und keine lärmenden Menschengruppen vor den Exponaten. Zum anderen gibt es hier auffallend viele Kunstwerke.

Liest man im Museumskatalog nach, bestätigt sich: Ein großer Teil der Sammlung besteht aus Kunstwerken vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert. Da hängt ein Marc Chagall aus den 1920ern, der einen Mann zeigt, der eine Torarolle hält. Eindrucksvoll das Gemälde "Der jüdische Friedhof" von Samuel Hirszenberg aus dem Jahr 1892. Die Trauer ist hier zum Greifen nah spürbar. Schön auch ein Porträt Theodor Herzls von Hermann Struck aus dem Jahr 1903.

Darstellung einer jüdischen Hochzeit

Besonders angetan hat es mir aber die Darstellung einer jüdischen Hochzeit in Venedig von Marco Marcuola, datiert mit etwa 1780. Ins Auge stach mir dabei die Kleidung der Dargestellten. Da finden sich Reifröcke, tiefe Ausschnitte und nur halblange Ärmel bei den Damen, Kniebundhosen und Gehröcke bei den Herren und mittendrinnen in dieser bunten Szenerie tummelt sich auch noch ein Hund.

In den Köpfen vieler Menschen haben Juden über die Jahrhunderte schwarze Kaftane getragen, kombiniert mit schwarzen Hüten oder aus Pelz gefertigten Schtreimeln. Ja, heute sind manche sehr orthodoxe Juden so gekleidet, viele andere tragen schwarze Anzüge und Hut. Vor 100 Jahren und vor noch längerer Zeit trugen zum Beispiel Chassiden in Galizien, aber etwa auch in der Bukowina oder Rumänien Schtreimel. Allerdings sahen eben nicht alle Juden quer durch die Jahrhunderte und in allen Regionen so aus. Im Gegenteil: Wenn man sie ließ, passten sich Juden und Jüdinnen modisch gerne der Mehrheitskultur an, wie etwa auch die Historikerin und Judaistin Martha Keil im "Handbuch Jüdische Kulturgeschichte" festhält.